Was müssen Sie beachten, wenn Sie Ihre Freizügigkeitsleistung anlegen möchten?

Die Zinswüste hat sich auf die Freizügigkeitskonti ausgebreitet

Egal wie man den Ver­gleich anstellt, es kommt immer das­sel­be raus: Auf Frei­zü­gig­keits­kon­ti kriegt man kei­nen Zins mehr. Beim Schwei­zer Kon­su­men­ten­ma­ga­zin Sal­do bewe­gen sich die Zin­sen der ver­gli­che­nen Ange­bo­te zwi­schen 0.25 und 0 Pro­zent, bei Ver­mö­gens­part­ner zwi­schen 0.125 und 0 Pro­zent. Bei einer Teue­rung von 0.9 Pro­zent (2018) ver­liert so das Geld jähr­lich fast ein Pro­zent an Wert. Das ist die schlech­te Nach­richt.

Die gute Nach­richt: Wen die­se Situa­ti­on nicht befrie­digt, für den gibt es eine Alter­na­ti­ve: Die Anla­ge der Frei­zü­gig­keits­gel­der in Wert­schrif­ten. Die­ser Aus­weg aus der Zins­wü­ste will aber wohl über­legt sein. Was zu beach­ten ist, erklä­ren wir in die­sem Bei­trag.

Splitting der Freizügigkeitsleistung kann sehr vorteilhaft sein

Bevor wir los­le­gen, ein wich­ti­ger Hin­weis: Tre­ten Sie dem­nächst aus einer Pen­si­ons­kas­se aus, kön­nen Sie ver­lan­gen, dass Ihre Frei­zü­gig­keits­lei­stung gesplit­tet wird (Art. 12 Abs. 1 Frei­zü­gig­keits­ver­ord­nung). Sie kön­nen Ihre Frei­zü­gig­keits­lei­stung auf­tei­len und auf zwei unter­schied­li­che Frei­zü­gig­keits­ein­rich­tun­gen über­tra­gen las­sen.

Ihre Vor­tei­le bei einem Split­ting sind viel­fäl­tig: Einer­seits erhal­ten Sie dadurch mehr Fle­xi­bi­li­tät bei der Anla­ge der Frei­zü­gig­keits­gel­der. Sie kön­nen ein Teil auf ein Frei­zü­gig­keits­kon­to ein­zah­len, den ande­ren Teil in Wert­schrif­ten inve­stie­ren. Ande­rer­seits kön­nen Sie (allen­falls) einer der bei­den Töp­fe beim Wie­der­ein­kauf in eine neue Pen­si­ons­kas­se ste­hen las­sen. So kön­nen Sie den übri­gen Topf wei­ter­hin selbst­be­stimmt anle­gen und lei­den weni­ger unter den ver­brei­te­ten Umver­tei­lungs­ef­fek­ten im Vor­sor­ge­sy­stem der zwei­ten Säu­le. Zu guter Letzt kön­nen Sie mit meh­re­ren Töp­fen Ihre Vor­sor­ge­gut­ha­ben gestaf­felt bezie­hen* und so zum Teil beträcht­lich Steu­ern spa­ren.

Wann ist eine Anlage von Freizügigkeitsguthaben sinnvoll?

Nun zurück zum eigent­li­chen The­ma. Die zen­tra­le Fra­ge, ob eine Anla­ge der Frei­zü­gig­keits­gel­der Sinn macht, bezieht sich auf Ihren Anla­ge­ho­ri­zont. Kön­nen Sie die Gel­der bis zu Ihrer Pen­sio­nie­rung* inve­stiert las­sen, oder müs­sen Sie sie bald wie­der in eine Pen­si­ons­kas­se ein­brin­gen? Je län­ger der Anla­ge­ho­ri­zont ist, umso eher kön­nen tem­po­rä­re Wert­ver­lu­ste wie­der wett­ge­macht wer­den. Zwar gibt es auch Anla­ge­mög­lich­kei­ten für kur­ze Anla­ge­ho­ri­zon­te, dann emp­feh­len wir jedoch eine risi­ko­ar­me Stra­te­gie. Ganz um Kurs­schwan­kun­gen her­um kom­men Sie aber selbst dann nicht, da auch Obli­ga­tio­nen Kurs­schwan­kun­gen unter­lie­gen. Im Gegen­satz zu den Schwan­kun­gen bei Akti­en fal­len die­se jedoch gerin­ger aus.

Ein wei­te­res wich­ti­ges Kri­te­ri­um für Ihren Ent­scheid, ob Sie Frei­zü­gig­keits­gel­der anle­gen soll­ten oder nicht, ist Ihre gesam­te Ver­mö­gens­si­tua­ti­on. Wenn die Frei­zü­gig­keits­lei­stung nur einen klei­nen Anteil an Ihrem Ver­mö­gen aus­macht und Sie sonst eher risi­ko­arm inve­stiert sind, kön­nen Sie grund­sätz­lich mehr Risi­ko gehen. Sie lau­fen nicht Gefahr, in schlech­ten Bör­sen­la­gen einen gros­sen Teil Ihres Ver­mö­gens zu ver­lie­ren. Wenn die Frei­zü­gig­keits­lei­stung ein gros­ser Teil Ihres Gesamt­ver­mö­gens beträgt und Sie im Fal­le der Pen­sio­nie­rung dar­auf ange­wie­sen sind, ist Ihre Risi­ko­fä­hig­keit ein­ge­schränkt. Sie soll­ten einen lan­gen Anla­ge­ho­ri­zont auf­wei­sen oder die Fin­ger von Anla­gen las­sen und das Geld auf ein Frei­zü­gig­keits­kon­to ein­zah­len.

Schliess­lich – und das gilt wohl über­all im Leben – hängt Ihre Risi­ko­fä­hig­keit davon ab, wie gut Sie sich aus­ken­nen. Haben Sie Erfah­run­gen mit Anla­ge­pro­duk­ten wie Obli­ga­tio­nen, Akti­en oder alter­na­ti­ven Invest­ments? Damit mei­nen wir nicht, dass Sie mit mög­lichst viel Wis­sen einen Unter­schied her­aus­ho­len kön­nen (z. B. den rich­ti­gen Ein­stiegs- und Aus­stiegs­zeit­punkt tref­fen). Denn das fällt selbst den Pro­fis schwer. Erfah­run­gen hel­fen Ihnen jedoch, die Risi­ken ein­schät­zen zu kön­nen, erst recht, wenn Sie schon mal eine Finanz­kri­se durch­lebt haben.

Kosten dürfen Erträge nicht «wegfressen»

Ein ent­schei­den­der Nach­teil vie­ler Ange­bo­te zur Anla­ge von Gut­ha­ben aus der Frei­zü­gig­keit sind die hohen Kosten. Dies führt im Extrem­fall dazu, dass die Gebüh­ren die Erträ­ge gänz­lich auf­fres­sen. Das unfai­re dabei ist, dass Sie den­noch die Risi­ken tra­gen müs­sen. fin­pen­si­on hat des­halb vor rund zwei Jah­ren die digi­ta­le Frei­zü­gig­keits­stif­tung value­pen­si­on ins Leben geru­fen, die mit ihrem Ange­bot neue Mass­stä­be setzt. Mit value­pen­si­on kön­nen Sie bereits ab 0.49 % in Index­fonds der Zero-Fee-Klas­se (kei­ne TER) inve­stie­ren. Die Kosten für den Anschluss an die­se Fonds­ka­te­go­rie (Insti­tu­tio­nal Fund Access) mit der Credit Suis­se über­nimmt die Stif­tung. Die ein­ge­setz­ten Index­fonds sind quel­len­steu­er­op­ti­miert, womit sie rund 0.5 % bes­ser per­for­men als dies­be­züg­lich nicht opti­mier­te Anla­gen.

Was 0.75 % Per­for­mance- und Kosten­un­ter­schied über die Zeit aus­macht, zeigt der fol­gen­de Mehr­wert­rech­ner.

*Frei­zü­gig­keits­gel­der kön­nen bis zu fünf Jah­re vor oder nach dem ordent­li­chen Pen­si­ons­al­ter (Frau­en 64 / Män­ner 65) bezo­gen wer­den (Art. 16 Abs. 1 Frei­zü­gig­keits­ver­ord­nung).

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