Das Freizügigkeitskonto kommt dann zum Einsatz, wenn Sie vor der Pensionierung eine Arbeitsstelle aufgeben, ohne unmittelbar einen neuen Job anzutreten (Freizügigkeitsfall). Dann müssen Sie Ihrer alten Pensionskasse mitteilen, wohin Ihr Pensionskassengeld (Austrittsleistung) überwiesen werden soll. Da Sie (vorübergehend) keiner neuen Pensionskasse angeschlossen sind, müssen Sie zuerst ein Freizügigkeitskonto eröffnen, wo das Geld zwischenparkiert werden kann.

Beispiele für Freizügigkeitsfälle:

  • Sie sind vorübergehend ohne Job (Weltreise, arbeitslos, Weiterbildung, Kinderbetreuung usw.)
  • Sie gehen ins Ausland und arbeiten für eine gewisse Zeit im Ausland.
  • Sie haben Ihr Pensum reduziert und verdienen neu weniger als die BVG-Eintrittsschwelle vorsieht.
  • Sie machen sich selbstständig und verzichten auf den Bezug des Freizügigkeitsguthabens.
  • Sie haben sich scheiden lassen und einen Teil des PK-Guthabens Ihres ehemaligen Partners erhalten.

Angeboten werden Freizügigkeitskonti von den Banken. Es gibt aber auch bankunabhängige Freizügigkeitsstiftungen, die jedoch mehrheitlich darauf spezialisiert sind, Freizügigkeitsguthaben in Wertschriften anzulegen. Sie können mit dem Freizügigkeitskapital auch eine Versicherungspolice abschliessen, die einen Versicherungsschutz im Todes- oder Invaliditätsfall bietet. Dieser Versicherungsschutz ist jedoch nicht gratis. Sie bezahlen eine entsprechende Versicherungsprämie.

Wir empfehlen mangels Transparenz keine kombinierte Versicherung (Sparen & Risikodeckung). Anstelle dessen sollten Sie einen allfälligen Versicherungsbedarf separat und getrennt vom Freizügigkeitsguthaben versichern lassen.

Sie können von Ihrer bisherigen Vorsorgeeinrichtung verlangen, dass das Freizügigkeitsguthaben im Zeitpunkt des Austritts aus der PK auf zwei Freizügigkeitsstiftungen übertragen wird (Splitting). So können Sie die verschiedenen Freizügigkeitslösungen miteinander kombinieren:

  • Freizügigkeitskonto
  • Anlage in Wertschriften / Freizügigkeitsdepot
  • Freizügigkeitspolice mit Risikoschutz

Wir empfehlen Ihnen, von der Möglichkeit des Splittings der Freizügigkeitsleistung Gebrauch zu machen. Sie erlangen mehr Flexibilität bei der Anlage der Freizügigkeitsgelder. Allenfalls können Sie zudem die verschiedenen Töpfe im Zeitpunkt der Pensionierung gestaffelt beziehen, was in vielen Kantonen weniger Steuern (Kapitalbezugssteuer) verursacht.

Freizügigkeitsgelder können vorbezogen werden, wenn:

  • Sie selbstbewohntes Wohneigentum (WEF) erwerben möchten.
  • Sich selbstständig machen.
  • Auswandern.

Alternativ zu einem WEF-Vorbezug bietet sich eine Verpfändung an, insbesondere dann, wenn in Wertschriften angelegte Freizügigkeitsgelder weiterhin investiert bleiben sollen.