Vergleich und Berechnung der Kapitalbezugssteuer

Wäh­rend AHV-Bei­trä­ge der 1. Säu­le direkt der Bevöl­ke­rung im Ruhe­stand zu Gute kom­men, spa­ren Herr und Frau Schwei­zer in den ande­ren bei­den Säu­len ihr eige­nes Ver­mö­gen fürs Alter an. Im Zeit­punkt des Bezugs muss das ange­spar­te Vor­sor­ge­gut­ha­ben ver­steu­ert wer­den, bei einer Ren­te als Ein­kom­men und bei einer Kapi­tal­lei­stung oder einem Vor­be­zug in Form einer redu­zier­ten Kapi­tal­be­zugs­steu­er.

Wie die Kapi­tal­be­zugs­steu­er berech­net wird und war­um man von einer «redu­zier­ten» Steu­er spricht, zei­gen wir in die­sem Bei­trag. Zuerst aber zei­gen wir in einem Ver­gleich, wie hoch die Kapi­tal­be­zugs­steu­er im Ver­hält­nis zur Kapi­tal­lei­stung aus der 2. und 3. Säu­le in den ein­zel­nen Kan­to­nen ist:

Interkantonaler Vergleich der Höhe der Kapitalbezugssteuer in % der Kapitalleistung (Gemeinde‑, Kantons- und Bundessteuer zusammen)

Die Tabel­le kann nach Belie­ben sor­tiert wer­den:

 Fr. 50’000Fr. 100’000Fr. 250’000Fr. 500’000Fr. 1’000’000
AG, Aar­au3.3%5.0%7.3%8.3%8.9%
AI, Appen­zell2.5%3.5%4.8%5.3%5.5%
AR, Heri­sau7.6%8.0%9.0%10.0%11.2%
BE, Bern3.6%4.8%6.7%8.5%9.8%
BL, Lies­tal3.5%3.9%4.9%6.7%9.6%
BS, Basel3.7%5.3%8.3%9.5%10.0%
FR, Fri­bourg4.2%5.7%9.3%11.4%12.4%
GE, Genè­ve3.0%4.7%6.7%7.9%8.5%
GL, Gla­rus4.9%5.3%6.3%6.8%7.0%
GR, Chur3.9%4.3%5.4%9.3%9.8%
JU, Delé­mont5.4%6.3%8.7%9.7%10.1%
LU, Luzern4.1%5.4%7.4%8.3%8.7%
NE, Neu­châ­tel4.9%6.1%8.2%8.7%8.9%
NW, Stans4.3%5.7%7.2%7.7%7.9%
OW, Sar­nen5.3%5.7%6.7%7.2%7.4%
SG, St. Gal­len5.8%6.2%7.2%7.8%7.9%
SH, Schaff­hau­sen2.4%3.8%5.6%6.1%6.3%
SO, Solo­thurn3.6%5.1%7.1%7.7%7.9%
SZ, Schwyz1.5%2.7%6.5%9.6%11.8%
TG, Frau­en­feld6.4%6.8%7.9%8.4%8.6%
TI, Bel­lin­zo­na4.0%4.4%5.5%7.4%14.4%
UR, Alt­dorf3.9%4.3%5.3%5.8%6.0%
VD, Lau­sanne5.6%7.5%10.7%12.7%13.6%
VS, Sion4.4%4.8%6.4%9.3%10.3%
ZG, Zug1.8%3.4%5.0%6.0%6.4%
ZH, Zürich4.6%5.0%6.9%11.3%16.1%

- Annah­me: Aus­zah­lung im Alter von 65 Jah­ren, allein­ste­hen­der Mann, kon­fes­si­ons­los
- Quel­le Steu­er­da­ten: Post­fi­nan­ce (Tax­wa­re / 2019)

Berechnungsweisen der reduzierten Kapitalbezugssteuer

Fol­gen­de Gemein­sam­kei­ten wei­sen die Steu­er­ge­set­ze der Kan­to­ne und des Bun­des bei der Berech­nung der Kapi­tal­be­zugs­steu­er auf:

  1. Die Kapi­tal­be­zugs­steu­er wird getrennt vom übri­gen Ein­kom­men besteu­ert. Kon­kret kann es also sein, dass zwei Nach­barn einen gleich hohen Anteil vom Kapi­tal­be­zug dem Staat ablie­fern müs­sen, obwohl der eine mehr ver­dient als der ande­re. Vor­aus­set­zung dafür ist aber natür­lich, dass der Kapi­tal- oder Vor­be­zug bei bei­den Nach­barn gleich hoch ist.
  2. Fal­len in einem Steu­er­jahr meh­re­re Kapi­tal­lei­stun­gen (aus der 2. oder 3. Säu­le) an, wer­den die­se zur Berech­nung der Kapi­tal­be­zugs­steu­er zusam­men­ge­zählt.
  3. Die Sozi­al­ab­zü­ge, die sonst bei der Berech­nung des steu­er­ba­ren Ein­kom­mens gewährt wer­den, gel­ten für Kapi­tal­lei­stun­gen nicht.

Verschiedene Berechnungsmethoden der Kantone

Die Besteue­rung von Kapi­tal­lei­stun­gen aus der Vor­sor­ge wird kan­to­nal unter­schied­lich berech­net. Nach­fol­gend erläu­tern wir kurz die vier Berech­nungs­me­tho­den:

  • Anteils­mäs­sig am Steu­er­ta­rif für Ein­kom­men (Bund, AG, AI, GE, LU, NE, NW, OW, SH, SO, VD und ZG): Die Kapi­tal­be­zugs­steu­er beträgt ein Bruch­teil der Steu­er, die auf einem ent­spre­chen­den Ein­kom­men hät­te bezahlt wer­den müs­sen. Ent­we­der man nimmt einen Bruch­teil des Steu­er­sat­zes oder der theo­re­ti­schen Ein­kom­mens­steu­er. Bei­de Wege füh­ren zum sel­ben Ergeb­nis, einer redu­zier­ten Kapi­tal­be­zugs­steu­er.
  • Besteue­rung nach dem System des Ren­ten­sat­zes (GR, SZ, TI, VS und ZH): Auch die­ses Modell ori­en­tiert sich am Ein­kom­mens­steu­er­ta­rif. Die Berech­nung ist aber kom­pli­zier­ter. Zuerst wird geschaut, wie hoch eine ent­spre­chen­de Ren­te wäre*, wür­de das Vor­sor­ge­gut­ha­ben in Ren­ten­form bezo­gen. Mit der so ermit­tel­ten Ren­ten­hö­he kann anhand des Ein­kom­mens­steu­er­ta­rifs der Steu­er­satz ermit­telt wer­den. Die­ser Steu­er­satz wird anschlies­send mit dem gesam­ten Kapi­tal­be­zug mul­ti­pli­ziert.
  • Eige­ner Steu­er­ta­rif für Kapi­tal­lei­stung (AR, BE, BL, BS, JU und ZG): Es kommt ein sepa­ra­ter Steu­er­ta­rif – auch Staf­fel­ta­rif genannt – spe­zi­ell für den Kapi­tal­be­zug zur Anwen­dung. Die­ser Tarif ist nicht vom Ein­kom­mens­steu­er­ta­rif abhän­gig und wird im Steu­er­ge­setz sepa­rat auf­ge­führt.
  • Fixer Pro­zent­satz für Kapi­tal­lei­stung (GL, SG, TG und UR): Schliess­lich gibt es Kan­to­ne, die es ger­ne ein­fach haben. Sie wen­den einen fixen Steu­er­satz an, der auf der gesam­ten Kapi­tal­lei­stung fäl­lig wird. Unab­hän­gig der Höhe der Aus­zah­lung ist der Steu­er­satz immer genau gleich hoch. Ein­zig auf­grund der Bun­des­steu­er, die nicht flat, son­dern pro­gres­siv aus­ge­stal­tet ist, nimmt die Steu­er­quo­te in der Ver­gleichs­ta­bel­le auch in die­sen Kan­to­nen mit zuneh­men­der Höhe des Kapi­tal­be­zugs zu. Dies jedoch deut­lich weni­ger als in ande­ren Kan­to­nen.

*Der Ren­ten­um­wand­lungs­satz ist von Kan­ton zu Kan­ton ver­schie­den. Das Tes­sin und Wal­lis ver­wen­den Tabel­le zur Umrech­nung von Kapi­tal­lei­stun­gen in lebens­läng­li­che Ren­ten. Da es unter­schied­li­che Ren­ten­al­ter für Frau­en und Män­ner gibt, ist auch das Geschlecht mass­ge­bend für die Berech­nung der Steu­er die­ser Kan­to­ne.

Ver­schie­de­ne Kan­to­ne ken­nen zusätz­li­che Leit­plan­ken in Form von Min­dest- oder Maxi­mal­steu­er­sät­zen (AR, AI, BL, GR, LU, NE, NW, SZ, TI, VS, ZG und ZH). Teils wer­den auch steu­er­frei Beträ­ge gewährt (AG, BE, BS, FR, GR, VS).

Die mit dem Steu­er­satz ermit­tel­te Steu­er wird auch ein­fa­che Steu­er genannt. Sie ist jeweils mit dem Gemein­de- und Kan­tons­steu­er­fuss zu mul­ti­pli­zie­ren, um den effek­ti­ven Steu­er­be­trag zu erhal­ten.

Übersicht der Berechnung der Kapitalbezugssteuer

Rechenbeispiel: Anteilsmässig am Steuertarif für Einkommen

Zur Ver­an­schau­li­chung ein Bei­spiel mit Herrn Muster, allein­ste­hend, römisch-katho­lisch und wohn­haft in der Gemein­de Emmen LU: Er möch­te sein Frei­zü­gig­keits­ka­pi­tal in Höhe von 250’000 Fran­ken bezie­hen. Der Kan­ton Luzern besteu­ert Kapi­tal­lei­stun­gen aus Vor­sor­ge anteil­mäs­sig am Steu­er­ta­rif für Ein­kom­men (1/3). Der Steu­er­ta­rif für ein Ein­kom­men von 250’000 Fran­ken beträgt 5.00618 %. Ein Drit­tel davon ist 1.66872 %, mul­ti­pli­ziert mit 250’000 Fran­ken ergibt dies eine ein­fa­che Steu­er von 4’171.80 Fran­ken. Der Steu­er­fuss der Gemein­de Emmen LU beträgt 4.135, womit 17’250.40 Fran­ken resul­tie­ren. Hin­zu kommt die Bun­des­steu­er von 4’032.30 Fran­ken, die nach dem­sel­ben Modell (1/5) berech­net wird. Die Kapi­tal­be­zugs­steu­er für Herrn Muster sum­miert sich auf 21’282.70 Fran­ken.

Rechenbeispiel: Besteuerung nach dem Rentensatz

Frau Mei­er, allein­ste­hend, römisch-katho­lisch wohnt in der Gemein­de Schwyz SZ. Ihr Kapi­tal­be­zug in der Höhe von 250’000 Fran­ken wird nach dem Ren­ten­satz besteu­ert. Im Steu­er­ge­setz des Kan­tons Schwyz steht geschrie­ben: «Kapi­tal­lei­stun­gen wer­den zu dem Steu­er­satz berech­net, der sich ergä­be, wenn an Stel­le der ein­ma­li­gen eine jähr­li­che Lei­stung von 1/25 der Kapi­tal­lei­stung aus­ge­rich­tet wür­de.» 1/25 von 250’000 Fran­ken ist 10’000 Fran­ken. Der Ein­kom­mens­steu­er­ta­rif für 10’000 Fran­ken Ein­kom­men beträgt 1.275 %. Die­ser Tarif wird nun mit der gesam­ten Kapi­tal­lei­stung mul­ti­pli­ziert. Dies ergibt eine ein­fa­che Steu­er von 3’187.50 Fran­ken. Die ein­fa­che Steu­er muss wie­der­um mit dem Steu­er­fuss mul­ti­pli­ziert wer­den. Der Steu­er­fuss (2019) beträgt 408 % der ein­fa­chen Steu­er. Die Kan­tons­steu­er umfasst somit 13’005 Fran­ken. Zusam­men mit der Bun­des­steu­er ergibt dies eine Steu­er von 17’037.30 oder 6.8 Pro­zent.

Rückzahlungen WEF-Vorbezugs: Bezahlte Kapitalbezugssteuer kann man zurückfordern

Kapi­tal, das im Rah­men der Wohn­ei­gen­tums­för­de­rung (WEF) aus der beruf­li­chen Vor­sor­ge bezo­gen wur­de, kann wie­der zurück­be­zahlt wer­den. Beim WEF-Bezug fällt die nor­ma­le Kapi­tal­be­zugs­steu­er an. Die­se Steu­er kann bei der Rück­zah­lung wie­der zurück­ge­for­dert wer­den. Wich­tig zu wis­sen ist, dass man die Rück­erstat­tung innert drei Jah­ren bean­tra­gen muss, anson­sten das Anrecht auf Rück­erstat­tung erlischt. Eine auto­ma­ti­sche Rück­erstat­tung ist nicht vor­ge­se­hen. Sie müs­sen also selbst aktiv wer­den.