Grundsätzlich muss sich diese Frage jeder für sich selbst beantworten. Dieser Beitrag kann aber bei der Entscheidungsfindung helfen. Er zeigt, wann es sich lohnen kann, Geld in Wertschriften zu investieren und was bei der Anlage von Vorsorgegeldern zu beachten ist.

Langer Anlagehorizont eröffnet Renditechancen

Ein langer Anlagehorizont ist das A und O, wenn man Geld investieren möchte. Der Grund ist relativ einfach. Wenn man nur wenig Zeit für ein Investment hat und das Geld bald wieder braucht, kann es leicht passieren, dass man auf dem falschen Fuss erwischt wird und die Anlagen zu einem schlechten Zeitpunkt mit Verlust verkaufen muss.

Verfügt man allerdings über einen langen Anlagehorizont, was in der Vorsorge oft der Fall ist, ist ein Verlust weniger wahrscheinlich. Einerseits hat man in einer Krise Zeit zu warten, bis sich die Kurse wieder erholt haben. Andererseits helfen die jährlichen Erträge wie Dividenden und Zinsen, Dellen rascher auszubügeln.

Erträge helfen, Täler rascher zu durchschreiten

In der folgenden Grafik sehen Sie zwei Kurven. Beide zeigen die Entwicklung der Aktienkurse seit 1996 und zwar von Unternehmen, die an der Schweizer Börse kotiert sind (Swiss Performance Index SPI):

  • Rote Linie: Total Return (Preisentwicklung inkl. Dividenden)
  • Blaue Linie: Price Return (Preisentwicklung ohne Dividenden)

Swiss Performance Index vom 3.1.1996 bis 14.12.2020 (Start: 100):

Der Peak vor der Finanzkrise wurde am 1. Juni 2007 erreicht. Dieser Gipfel wurde vom Total Return am 15. Mai 2013 erstmals wieder erklommen. Der Price Return brauchte deutlich länger. Er erreichte den damaligen Höhepunkt erst vier Jahre später wieder.

Peak vor der FinanzkriseZurück auf dem PeakErholungsdauer
Total Return1. Juni 200715. Mai 2013rund 6 Jahr
Price Return1. Juni 20072. Oktober 2017rund 10 Jahre

Hinweis: Der bekannteste Schweizer Aktienindex, der SMI, ist ein Preisindex und berücksichtigt Dividendenzahlungen nicht. Bei dessen Interpretation ist also Vorsicht geboten. Sonst kann man rasch den Eindruck kriegen, dass man über eine lange Zeit gar nichts verdient hat.

Erträge bilden einen stetig wachsenden Puffer, der mögliche Kursverluste abfedern kann

Ein weiterer Vorteil eines langen Anlagehorizonts ist der stetig wachsende Puffer durch die Erträge (reinvestierte Dividendenausschüttungen). Das Polster, das man sich mit einer Anlage in den SPI in den vergangenen 25 Jahren nur schon durch die Erträge erarbeiten konnte, ist sehr gross. Es summiert sich bis Ende 2020 auf rund 45 %. Anders gesagt: Nach 25 Jahren könnte man einen Kursverlust von bis zu 45 % hinnehmen, ohne ins Minus zu fallen bzw. an möglichen Kursgewinnen zu kratzen.

Puffer = SPI Total Return – SPI Price Return im Verhältnis zum SPI Total Return:

Schliesslich vermehrt der Zinseszinseffekt den Ertrag zusätzlich

Zum Schluss dieses Kapitels möchten wir noch zeigen, wie hoch der Unterschied ist, wenn man den Ertrag reinvestiert und somit vom Zinseszinseffekt profitiert, im Vergleich zum Ergebnis, wenn man den Ertrag nicht wieder investiert. Der Effekt ist beachtlich. Bei einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 2.39 % beträgt die Mehrrendite dank dem Zinseszinseffekt über die 25 Jahre gut 20 %.

Vergleich der Rendite mit oder ohne Zinseszins bei einer annualisierten Rendite von 2.39 % über 25 Jahre

Aus steuerlicher Sicht ist eine ertragsorientierte Strategie in der Vorsorge besser

Erträge, die auf Vorsorgevermögen anfallen, sind steuerfrei. Aus diesem Grund ist es interessant, mit Vorsorgegeldern eine ertragsorientierte Strategie mit Aktien, Immobilien und Obligationen zu verfolgen.

Gold oder Kryptowährungen wie Bitcoin sind weniger optimal in der Vorsorge. Da das Vorsorgevermögen beim Bezug versteuert werden muss, bezahlen Sie auf dem Anteil, den Sie durch Kursgewinne erwirtschaftet haben, später ebenfalls eine Kapitalbezugssteuer.

Dies ganz im Gegensatz zum freien Vermögen. Dort müssen Sie Kapitalgewinne nicht versteuern. Also sollten Sie Gold oder Kryptowährungen besser im freien Vermögen halten.

Primäres ZielErträge (Dividenden und Zinsen)Kurs- oder Kapitalgewinne
VorsorgevermögenInteressant, weil Erträge in der Vorsorge steuerfrei sind.
Freies VermögenInteressant, weil Kapitalgewinne im freien Vermögen steuerfrei sind.

Rückforderung von Quellensteuern ist ein «Must»

Wenn Sie in der Vorsorge eine ertragsorientierte Strategie verfolgen, erzielen Sie zwangsläufig Dividenden und Zinserträge. Oft werden diese Erträge im Fonds reinvestiert, was man auch Thesaurierung nennt.

Nun ist es so, dass in der Regel auf solchen Erträgen eine Steuer abgezogen wird. In der Schweiz heisst sie Verrechnungssteuer. Die Verrechnungssteuer kann man zurückfordern, wenn man die Erträge in der Steuererklärung deklariert.

International spricht man von Quellensteuern, die auf Dividenden und Zinsen abgezogen werden. Wenn Sie in Fonds investieren, die keine ausländischen Quellensteuern zurückfordern, verlieren Sie bis zu einem halben Prozent an Performance pro Jahr. Deshalb ist es wichtig, in der Vorsorge Fonds einzusetzen, die ausländische Quellensteuern zurückfordern können.

Übertragbarkeit der Anlagen ins Privatvermögen ist kein Gütesiegel

Oft wird es als wichtiger Vorteil verkauft, dass ein Fonds bei der Pensionierung ins frei Vermögen transferiert werden kann. Dieser Vorteil sollte jedoch nicht überbewertet werden. Denn wenn ein Fonds auch im Privatvermögen gehalten werden kann, heisst das zugleich, dass er nicht für die Vorsorge optimiert ist und weniger Quellensteuern zurückfordern kann. Also lieber einmal bei der Pensionierung den Fonds wechseln als Jahr für Jahr auf einen Anteil an den Dividenden und Zinsen zu verzichten.

Was ebenfalls wichtig ist, sind die Kosten, die bei Vorsorgefonds anfallen können. Dieses Thema haben wir im verlinkten Beitrag behandelt.