Warum wir sagen, dass ETF in der Säule 3a keine gute Wahl sind, kann überraschen. Vor allem, weil wir ebenfalls an den Mehrwert einer passiven Anlagestrategie glauben, und diesen gegenüber einem aktiven Management bevorzugen.

1. Grund, warum ETF in der Säule 3a nicht zu empfehlen sind

Es gibt aber einen guten Grund, warum wir im Gegensatz zu Mitbewerbern ETF nicht als Anlagebausteine für das 3a-Depot empfehlen. Doch um diesen zu verstehen, müssen wir zuerst etwas ausholen.

ETF ist die Abkürzung für Exchange Traded Fund. Diese Fonds werden also an der Börse gehandelt und können von allen gekauft werden. Und genau darin liegt das Problem von ETFs.

Denn Vorsorgegelder würden eigentlich bevorzugt behandelt, wenn es um Quellensteuern geht. Dies aber nur, wenn die Vorsorgegelder nicht mit anderen Geldern vermischt werden.

Wenn ein Fonds den Anlegerkreis nicht auf Vorsorgegelder einschränkt und Investments auch mit Geldern aus dem freien Vermögen zulässt, ist er verunreinigt und kann nicht von der Privilegierung in den Doppelbesteuerungsabkommen profitieren.

Gelder der 3. Säule sind privilegiert

Wir nehmen das Beispiel USA. Der US-amerikanische Aktienmarkt ist sehr bedeutend. Im MSCI Welt Index, der die Aktienmärkte der westlichen Welt (inkl. Japan) abbildet, nehmen US-Unternehmen einen Anteil von aktuell 68 Prozent ein.

Die Schweiz hat ein Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA, in welchem Pensionskassen gänzlich von der Quellensteuer auf Dividenden befreit werden:

Ausmass der Entlastung für Pensionseinrichtungen (DBA Schweiz USA)
Entlastung von der Quellensteuer gemäss DBA Schweiz – USA

Seit der Genehmigung des Änderungsprotokolls per 1. Januar 2020 sind neu auch 3a-Gelder privilegiert und profitieren von der Befreiung von der Quellensteuer in den USA.

Was ist eine Quellensteuer?

In der Schweiz kennen wir die Quellensteuer unter dem Begriff «Verrechnungssteuer».

Nehmen wir als Beispiel ein Unternehmen, das seinen Aktionären eine Dividende ausbezahlt. Dieses Unternehmen muss 35 % der Dividende dem Bund abliefern und darf nur 65 % den Aktionären auszahlen. Die Verrechnungssteuer von 35 % dient dem Bund als Pfand, damit die Empfänger der Dividende diese auch schön artig in der Steuererklärung angeben. Nur dann bekommen sie die Verrechnungssteuer zurück.

So oder ähnlich funktioniert es auch im Ausland. Nur spricht man international nicht von Verrechnungssteuern, sondern von Quellensteuern, die auf den Erträgen wie Dividenden oder Zinsen abgezogen werden.

Was bringt mir eine Quellensteuerbefreiung in der Säule 3a?

Ist der Fonds rein, verwaltet er also nur Vorsorgegelder der 2. oder 3. Säule, dann wird er auf Antrag von der Quellensteuer befreit. Der Performanceunterschied zwischen einem quellensteuerbefreiten und einem nicht quellensteuerbefreiten Fonds ist beträchtlich, wie Sie an diesem Vergleich der Performance zweier Fonds sehen können (Factsheets von Ende April 2021):

TitelKategorie1 J.3 J.5 J.
CSIF (CH) I Equity World ex CH Blue ZBnicht quellensteuerbefreit38.32%37.20%84.78%
CSIF (CH) III Equity World ex CH Blue – Pension Fund ZBquellensteuerbefreit38.70%38.68%88.12%
Outperformancedank Quellensteuerbefreiung0.38%1.48%3.34%

Wer auf diesen Performancevorteil verzichtet, muss diesen als indirekte Kosten mitberücksichtigen, wenn er ETF-Lösungen mit anderen quellensteueroptimierten Vorsorgelösungen vergleicht.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass dann das ETF-Angebot bereits nicht mehr so gut aussieht.

Was ist besser als ein ETF in der Säule 3a?

Besser als ETF sind Fonds, die folgende Bedingungen erfüllen:

  1. Sie werden nicht an der Börse gehandelt.
  2. Nur Vorsorgeeinrichtungen und ihren Kundinnen und Kunden können diese Fonds zeichnen.

finpension setzt solche Fonds in der Säule 3a ein. Es handelt sich dabei um die institutionellen Indexfonds der Credit Suisse.

Indexfonds verfolgen dasselbe Ziel wie ETF. Da sie aber nicht an der Börse gehandelt werden, können sie den Anlegerkreis kontrollieren und so vom Vorteil in den Doppelbesteuerungsabkommen profitieren.

Konklusion

Privat sorgt man dafür, dass die Verrechnungssteuer zurückgefordert wird. Niemand will auf dieses Geld verzichten.

In der Vorsorge sollte man auch nicht darauf verzichten. Deshalb ist ein Anbieter, welcher sich diesem Thema annimmt, zu bevorzugen.

Nachteil ETF Säule 3a gegenüber finpension
Vorteil Vorsorgefonds gegenüber ETF

Sie als privater Investor können schauen, ob dies der Fall ist. Und dies mit einer einzigen Frage:

Welche Instrumente verwendet der Anbieter?

  • Fonds mit einem beschränkten Anlegerkreis = steueroptimiert
  • Fonds wie ETF ohne Anlegerkreiskontrolle = nicht steueroptimiert

2. Kapitalgewinne sind in der Vorsorge nicht das primäre Ziel

Auch diese Aussage mag überraschen. Denn grundsätzlich sind Kapitalgewinne schon interessant, mit einem mittelgrossen «Aber».

Mit der Vielfalt am Markt verfügbaren ETF ist es möglich, sehr gezielt auf eine Wachstumsstrategie zu setzen. In einer solchen Strategie zählen Dividenden eine untergeordnete Rolle. Wichtiger sind zukunftsträchtige Sektoren, die ihre Blütezeit noch vor sich haben.

Der Nachteil einer solchen Strategie, die auf Kapitalgewinne abzielt, ist die Kapitalbezugssteuer. Denn beim Bezug von Vorsorgegeldern wie der 3. Säule bezahlt man eine Steuer. Das heisst, man bezahlt auch auf dem Teil des Vorsorgevermögens die Kapitalbezugssteuer, der durch Kapitalgewinne erwirtschaftet wurde.

Dies ganz im Gegensatz zum freien Vermögen. Im freien Vermögen sind Kapitalgewinne steuerfrei. Deshalb sollte man in der Vorsorge auf Erträge setzen und nicht auf Kapitalgewinn. Und wenn man auf Erträge setzt, ist eine Quellensteuerbefreiung ein «Muss». ETF fallen deshalb auch unter diesem Gesichtspunkt ausser Betracht.

3. Investieren in Nachhaltigkeit muss nicht teurer sein

Auch wenn es um eine nachhaltige Anlage der 3. Säule geht, muss man sich nicht zwigend mit zweitklassigen ETF zufrieden geben.

Denn auch die grossen Indexfondsanbieter wie die Credit Suisse haben das Bedürfnis nach nachhaltigen Anlagen erkannt und bieten eine Fondslinie an, die Nachhaltigkeitskriterien (ESG-Kriterien) erfüllen.

Auch diese sind quellensteueroptimiert und von den Kosten vergleichbar wie die herkömmlichen Fonds. Hier ein Beispiel an einem Indexfonds der Credit Suisse, der den MSCI Welt abdeckt:

FondsISINTER
herkömmlichCSIF (CH) III Equity World ex CH Blue – Pension Fund Plus ZBCH04290816200.00 %Factsheet
herkömmlichCSIF (CH) III Equity World ex CH Blue – Pension Fund Plus ZBHCH04290816380.00 %Factsheet
nachhaltigCSIF (CH) III Equity World ex CH ESG Blue – Pension Fund Plus ZBCH03373937450.02 %Factsheet
nachhaltigCSIF (CH) III Equity World ex CH ESG Blue – Pension Fund Plus ZBHCH03373938510.02 %Factsheet

Grundsätzlich sind EFT eine gute Sache, aber nicht in der Säule 3a

Grundsätzlich sind ETF also eine gute Sache. Viele haben erkannt, dass aktives Fondsmanagement langfristig gesehen nichts bringt. Sie investieren deshalb in ETF, die dem Markt folgen, nicht aber versuchen, ihn zu schlagen. Deutlich tiefere Kosten sind diesen Anlegern gewiss, eine durchschnittliche Marktperformance auch.

Aus den in diesem Beitrag erwähnten Gründen eignen sich ETF aber nicht für die Vorsorge und die Säule 3a.