Das Vorsorgesystem der Schweiz kurz erklärt

Das Schwei­zer Vor­sor­ge­sy­stem basiert auf drei Säu­len. Es gibt eine staat­li­che, eine beruf­li­che und eine pri­va­te Vor­sor­ge. In die­sem Bei­trag erklä­ren wir Ihnen, wie die ein­zel­nen Vor­sor­ge­ge­fäs­se funk­tio­nie­ren und wie sie sich gegen­sei­tig ergän­zen.

3‑Säu­len-System der Schwei­zer Vor­sor­ge

Die 1. Säule: AHV – die staatliche Vorsorge

Die Alters- und Hinter­las­se­nenversi­che­rung (AHV) ist der erste Pfei­ler des schwei­ze­ri­schen Drei-Säu­len-Systems. Das Ziel der ersten Säu­le ist die Deckung des Exi­stenz­be­darfs im Alter oder im Todes­fall (Wai­sen- und Wit­wen­ren­ten). Reicht die AHV-Ren­te nicht zur Deckung der mini­ma­len Lebens­ko­sten, kön­nen Ergän­zungs­lei­stun­gen bean­tragt wer­den. Ergän­zungs­lei­stun­gen wer­den gemein­sam durch Bund und Kan­to­ne finan­ziert. Es dür­fen kei­ne Lohn­bei­trä­ge zur Finan­zie­rung der Ergän­zungs­lei­stun­gen erho­ben wer­den.

Die AHV funk­tio­niert nach dem Umla­ge­ver­fah­ren. Die Erwerbs­tä­ti­gen finan­zie­ren mit ihren Bei­trä­gen die Ren­ten. Die akti­ve Bevöl­ke­rung sorgt für die Per­so­nen, die im Ruhe­stand sind. Man spricht auch von einem Genera­tio­nen­ver­trag: Die Genera­ti­on, die heu­te Bei­trä­ge lei­stet, ist in Zukunft abhän­gig davon, dass die näch­ste Genera­ti­on das­sel­be tun wird. Da der Genera­tio­nen­ver­trag ein ima­gi­nä­res Kon­strukt ist, ent­fa­chen immer wie­der Dis­kus­sio­nen dar­über, ob die näch­ste Genera­ti­on die stei­gen­de Anzahl Rent­ner noch finan­zie­ren kann.

Umlageverfahren der AHV
Umla­ge­ver­fah­ren der AHV mit jähr­li­chem Defi­zit

Arbeit­ge­ber und Arbeit­neh­mer finan­zie­ren die AHV-Bei­trä­ge soli­da­risch. Bei­de zah­len 4.2 % von ihrem Brut­to­lohn. Hin­zu kom­men noch die Bei­trä­ge an die Inva­li­den­ver­si­che­rung (IV) und den Erwerbs­er­satz (EO). AHV, IV und EO erge­ben zusam­men einen Lohn­ab­zug von 5.125 %. Der Arbeit­ge­ber über­weist die Bei­trä­ge regel­mäs­sig an die kan­to­na­le Aus­gleichs­kas­se, die Bran­chen- oder Ver­bands­aus­gleichs­kas­se. Falls Sie Beden­ken über die Boni­tät Ihres Arbeit­ge­bers haben soll­ten, kön­nen Sie bei der Aus­gleichs­kas­se nach­fra­gen, ob die Bei­trä­ge über­wie­sen wur­den.

AHV‑, IV- und EO-Bei­trä­ge bezahlt man auf dem gesam­ten Ein­kom­men. Es gibt kei­ne Ober­gren­ze. Die Lei­stun­gen sind hin­ge­gen begrenzt. Im Fal­le der AHV-Ren­te betra­gen Sie mini­mal 1’185 Fran­ken und maxi­mal 2’370 Fran­ken pro Monat für Allein­ste­hen­de. Ver­hei­ra­te­te erhal­ten zusam­men eine Ren­te von 2’370 bis 3’555 Fran­ken pro Monat. Die AHV-Alters­ren­te muss bean­tragt wer­den. Wenn man wis­sen will, wie hoch die Ren­te sein wird, kann man bei der Aus­gleichs­kas­se eine Vor­aus­be­rech­nung ver­lan­gen.

Die 2. Säule: BVG – die berufliche Vorsorge

BVG ist die Abkür­zung für das beruf­li­che Alters‑, Hin­ter­las­se­nen- und Inva­li­denvorsor­ge-Gesetz. Die beruf­li­che Vor­sor­ge ergänzt die AHV. Zusam­men sol­len die AHV und die Pen­si­ons­kas­se (BVG) die Fort­set­zung des gewohn­ten Lebens­stan­dards nach der Pen­sio­nie­rung ermög­li­chen (Ren­te von 60 % des letz­ten ver­si­cher­ten Loh­nes).

Die beruf­li­che Vor­sor­ge funk­tio­niert nach dem Kapi­tal­deckungs­ver­fah­ren. Jeder spart sein eige­nes Alters­gut­ha­ben wäh­rend dem Arbeits­le­ben an. Bei der Pen­sio­nie­rung wird das Alters­gut­ha­ben in eine lebens­lan­ge Ren­te umge­wan­delt. Der Umwand­lungs­satz liegt bei min­de­stens 6.8 Pro­zent für den obli­ga­to­ri­schen Teil. Aus einem Alters­gut­ha­ben von 100’000 Fran­ken resul­tiert so eine jähr­li­che Ren­te von 6’800 Fran­ken*.

Durch die gestie­ge­ne Lebens­er­war­tung rei­chen die ange­spar­ten Alters­gut­ha­ben nicht mehr zur Finan­zie­rung der Ren­ten bis ans Lebens­en­de. Die aktiv Ver­si­cher­ten finan­zie­ren die­sen Fehl­be­trag. Ihrem Alters­gut­ha­ben wird nicht die gesam­te erwirt­schaf­te­te Ren­di­te gut­ge­schrie­ben. Ein Teil der Ren­di­te auf dem Alters­ka­pi­tal wird zur Deckung des Ren­ten­de­fi­zi­tes ver­wen­det. Es fin­det eine Umver­tei­lung von den Erwerbs­tä­ti­gen zu den Rent­nern statt. Lesen Sie mehr dazu in einem Kom­men­tar zu den aktu­el­len Vor­schlä­gen zur Reform der 2. Säu­le.

* Min­de­stens ein Vier­tel des Alters­gut­ha­bens kann im Zeit­punkt der Pen­sio­nie­rung in Kapi­tal­form bezo­gen wer­den, allen­falls mehr, sofern Ihre Pen­si­ons­kas­se mehr zulässt.

Kapitaldeckungsverfahren der 2. Säule
Kapi­tal­deckungs­ver­fah­ren der 2. Säu­le mit Umver­tei­lungs­ef­fekt

Die mei­sten KMUs in der Schweiz sind Sam­mel- oder Gemein­schafts­ein­rich­tun­gen ange­schlos­sen. Grös­se­re Unter­neh­men mit meh­re­ren Hun­dert Mit­ar­bei­ten­den haben teil­wei­se eige­ne Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen. Trä­ger des Vor­sor­ge­schut­zes ist in bei­den Fäl­len eine Stif­tung. Die Stif­tung defi­niert den Vor­sor­ge­plan, wie hoch die Bei­trä­ge und Lei­stun­gen sind. Der Vor­sor­ge­plan muss sich inner­halb der gesetz­li­chen Leit­plan­ken bewe­gen. Die im Gesetz defi­nier­ten Para­me­ter (z. B. Bei­trä­ge, Ver­zin­sung, Umwand­lungs­satz) sind als Min­dest­vor­schrif­ten zu ver­ste­hen. Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen kön­nen höhe­re Lei­stun­gen vor­se­hen, solan­ge die­se ange­mes­sen blei­ben.

Die 3. Säule: 3a – die private Vorsorge

Vor­sor­gen mit der gebun­de­nen Form der drit­ten Säu­le (3a) ist frei­wil­lig. Sie ent­schei­den selbst, ob Sie zusätz­lich zur 1. und 2. Säu­le eine 3. Säu­le auf­bau­en möch­ten. Der Bun­des­rat legt alle zwei Jah­re den Maxi­mal­bei­trag fest, den Sie ein­zah­len und somit auch steu­er­lich abset­zen kön­nen.

Vie­le Vor­tei­le spre­chen fürs frei­wil­li­ge Spa­ren mit der Säu­le 3a:

  • Sie kön­nen die Ein­zah­lun­gen den Steu­ern abzie­hen, vom steu­er­ba­ren Ein­kom­men, um es genau zu neh­men.
  • Die Erträ­ge auf Ihrem 3a-Gut­ha­ben müs­sen Sie nicht als Ein­kom­men ver­steu­ern. Das Vor­sor­ge­ver­mö­gen ist eben­falls nicht steu­er­bar (kei­ne Ver­mö­gens­steu­er).
  • Sie kön­nen selbst bestim­men, wie viel Sie ein­zah­len möch­ten und wie Sie das Geld anle­gen. Wenn Sie die 3. Säu­le in Form einer Ver­si­che­rung umset­zen, kann es aller­dings sein, dass Sie an die jähr­li­chen Ein­zah­lun­gen gebun­den sind.
  • Sie kön­nen das Geld in der Säu­le 3a vor­be­zie­hen, wenn Sie selbst­be­wohn­tes Wohn­ei­gen­tum kau­fen möch­ten, sich selbst­stän­dig machen oder wenn Sie aus­wan­dern.

Es lohnt sich, mög­lichst früh mit dem Auf­bau einer 3. Säu­le zu begin­nen, vor allem dann, wenn Sie die 3a-Gel­der in Wert­schrif­ten inve­stie­ren. Obwohl es bis zu Ihrer Pen­sio­nie­rung mit Gewiss­heit die eine oder ande­re Wirt­schafts­kri­se geben wird, kön­nen Sie dank dem lan­gen Anla­ge­ho­ri­zont getrost dar­über hin­weg­schau­en. Die Erfah­rung zeigt, dass sich die Bör­sen nach einer Kri­se wie­der erho­len.

Wenn Sie 3a-Gel­der für den Kauf eines Eigen­heims ein­set­zen möch­ten, gibt es die Alter­na­ti­ve einer Ver­pfän­dung. Ihre 3a-Gut­ha­ben blei­ben inve­stiert. Zudem müs­sen Sie im Gegen­satz zum Kapi­tal­be­zug kei­ne Steu­ern bezah­len.

Die Säu­le 3a unter­schei­det man von der Säu­le 3b, die das freie Spa­ren bezeich­net. Ein­zah­lun­gen in die 3. Säu­le (z. B. auf ein Spar­kon­to) sind steu­er­lich nicht absetz­bar.

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