Wie Sie Quellensteuern bei der Anlage von Vorsorgegeldern vermeiden?

Steuerfreie Vermögen und Einkommen in der Vorsorge

Ein­zah­lun­gen in die Vor­sor­ge kön­nen vom Ein­kom­men abge­zo­gen wer­den. Das ist Herr und Frau Schwei­zer bekannt. Denn für sie ist «Steu­ern spa­ren» die Haupt­mo­ti­va­ti­on, in die gebun­de­ne Vor­sor­ge ein­zu­zah­len. Egal, ob über einen frei­wil­li­gen Ein­kauf in die Pen­si­ons­kas­se oder über eine (jähr­li­che) Ein­zah­lung in die drit­te Säu­le. Die gesetz­li­chen Mög­lich­kei­ten zur Reduk­ti­on der Steu­er­last wer­den rege genutzt. War­um sonst soll­ten sie sich in ihrer Frei­heit ein­schrän­ken?

Bei Herr und Frau Schwei­zer weni­ger prä­sent ist hin­ge­gen, dass die Vor­tei­le nicht auf den Steu­er­ab­zug vom Ein­kom­men beschränkt sind. Denn das Ver­mö­gen in der Vor­sor­ge ist eben­falls steu­er­frei. Auf all dem, was ein­mal in die Vor­sor­ge ein­ge­zahlt wur­de, hat der Fis­kus kei­nen Zugriff mehr*. Das Vor­sor­ge­ver­mö­gen wird nicht zum steu­er­ba­ren Ver­mö­gen gezählt und die Erträ­ge müs­sen nicht zum Ein­kom­men hin­zu­ge­rech­net wer­den. Das Vor­sor­ge­ver­mö­gen kann also unge­hin­dert gedei­hen. Der Zin­ses­zins­ef­fekt kommt zum Tra­gen.

Alles gut, könn­te man mei­nen, wäre da nicht die Quel­len­steu­er, die einem einen Strich durch die Rech­nung machen kann. Setzt man näm­lich in der Vor­sor­ge Anla­ge­instru­men­te ein, die von aus­län­di­schen Quel­len­steu­ern bela­stet wer­den, wird die Ren­di­te auf dem Vor­sor­ge­ver­mö­gen emp­find­lich geschmä­lert. Über die Jah­re und Jahr­zehn­te ver­liert man unnö­tig Geld. Höch­ste Zeit also, die Quel­len­steu­er und die Ein­spar­mög­lich­kei­ten näher unter die Lupe zu neh­men.

*Die Kapi­tal­be­zugs­steu­er wird in einem spä­te­ren Bei­trag behan­delt.

Was ist überhaupt eine Quellensteuer und was bezweckt der Staat damit?

Als Quel­len­steu­ern bezeich­net man Steu­ern, die zum Zeit­punkt erho­ben wer­den, wenn Geld aus einem Gefäss abfliesst, bei­spiels­wei­se, wenn eine Divi­den­de aus einem Unter­neh­mens­ge­winn aus­be­zahlt wird. Der Ver­wal­ter der Quel­le (z. B. Bank) ist gesetz­lich ver­pflich­tet, einen bestimm­ten Teil des Geld­flus­ses dem Staat abzu­lie­fern. Um beim Bei­spiel der Divi­den­de zu blei­ben: Er darf nur die Net­to­di­vi­den­de dem Begün­sti­gen gut­schrei­ben.

Der Staat setzt die Quel­len­steu­er als Pfand ein. Das Pfand kriegt der Begün­stig­te erst wie­der zurück, wenn er die Divi­den­de als Ein­kom­men auf sei­ner Steu­er­erklä­rung dekla­riert hat. Dekla­riert er den Divi­den­den­er­trag nicht, kann er die Quel­len­steu­er auch nicht zurück­for­dern. Dann ver­bucht der Staat die Quel­len­steu­er als defi­ni­ti­ven Ertrag. 2018 betrug der Über­schuss (Ein­nah­men abzüg­lich Rück­erstat­tun­gen) aus der Ver­rech­nungs­steu­er beim Bund nahe­zu acht Mil­li­ar­den Fran­ken.

Ein Teil die­ses Über­schus­ses ist auf Per­so­nen mit Wohn­sitz im Aus­land zurück­zu­füh­ren. Denn die­se kön­nen die Schwei­zer Ver­rech­nungs­steu­er grund­sätz­lich nicht zurück­for­dern. Erst wenn die Schweiz ein ent­spre­chen­des Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men mit dem jewei­li­gen Land abge­schlos­sen hat, ist eine Rück­for­de­rung mög­lich.

Dank Doppelbesteuerungsabkommen kann die Quellensteuer in der Vorsorge eingespart werden?

Genau­so wie es Aus­län­dern mit der Schwei­zer Ver­rech­nungs­steu­er ergeht, geht es auch Schwei­zern mit aus­län­di­schen Quel­len­steu­ern: Es bedarf eines Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­mens, um die aus­län­di­sche Quel­len­steu­er zurück­for­dern zu kön­nen. Da Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen von der Steu­er­pflicht befreit sind, kommt ihnen in den Abkom­men in der Regel eine Son­der­stel­lung zu. Ihre Ent­la­stung von der Quel­len­steu­er geht oft wei­ter als für nor­ma­le Fonds oder Pri­vat­per­so­nen.

1996 hat die Schweiz ein Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men mit den USA abge­schlos­sen. Die­ses sieht vor, dass Divi­den­den kei­ne Quel­len­steu­er abge­zo­gen wird, wenn der nut­zungs­be­rech­tig­te Emp­fän­ger eine Pen­si­ons­ein­rich­tung ist (Art. 28 Abs. 4 b). Die­sel­be Rege­lung fin­det sich auch im 2012 erwei­ter­ten Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men mit Japan (Art. 10 Abs. 3 b).

Zur­zeit gibt es jedoch noch einen wesent­li­chen Unter­schied der bei­den Abkom­men: Im Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men mit Japan ist auch die drit­te Säu­le von der Quel­len­steu­er auf Divi­den­den befreit. Im Abkom­men mit der USA nur die zwei­te Säu­le. Mit der Geneh­mi­gung des Ände­rungs­pro­to­kolls zum Abkom­men mit den USA durch den US-Senat vom 17. Juli 2019 wird jedoch auch mit den USA die Quel­len­steu­er­be­frei­ung aus­ge­dehnt. Vor­aus­ge­setzt das Ände­rungs­pro­to­koll tritt noch 2019 in Kraft, wer­den ab dem 1. Janu­ar 2020 auch Ein­rich­tun­gen der gebun­de­nen Selbst­vor­sor­ge von der US-Quel­len­steu­er befreit.

Die Schweiz hat mit wei­te­ren 86 Län­dern Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men abge­schlos­sen (Stand Juli 2019).

Wie hoch ist die Quellensteuereinsparung?

Direkter Weg: Vergleich der Renditen zweier Fonds

Der direk­te Weg, die Ein­spar­po­ten­zi­al auf­zu­zei­gen, geht über den Ver­gleich der Ren­di­ten zwei­er Fonds. Im einen Fonds kön­nen die Quel­len­steu­ern den USA und von Japan voll­stän­dig zurück­ge­for­dert wer­den – wir bezeich­nen die­sen der Ein­fach­heit hal­ber als «Pen­si­ons­fonds» –, im ande­ren Fonds kön­nen die Quel­len­steu­ern nur teil­wei­se zurück­ge­for­dert wer­den (Ver­gleichs­fonds). Damit der Ver­gleich mög­lichst plau­si­bel ist, emp­fiehlt es sich, pas­siv gema­nag­te Fonds zu ver­wen­den. Zudem soll­ten all­fäl­lig unter­schied­li­che TER-Kosten berück­sich­tigt wer­den.

Über fünf Jah­re erziel­te der Pen­si­ons­fonds der Credit Suis­se auf dem MSCI World, der die Quel­len­steu­ern dank den Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men voll­stän­dig zurück­for­dern kann, eine Mehr­per­for­mance von 2.2 Pro­zent, wie man anhand der fol­gen­den Tabel­le sieht:

Per­for­mance 1 Jahr3 Jah­re5 Jah­re
CSIF (CH) III Equi­ty World ex CH — Pen­si­on Fund QB 4.33% 41.12% 54.17%
CSIF (CH) Equi­ty World ex CH QB ‑4.14% ‑39.99% ‑51.72%
Kor­rek­tur um tie­fe­re TER-Kosten im Pen­si­on Fund QB (0.05% p.a.) ‑0.05% ‑0.15 % ‑0.25%
Out­per­for­mance Pen­si­on Fund QB 0.14% 0.98% 2.20%

Indirekter Weg: Schätzung der Mehrrendite durch die Quellensteuerentlastung

Der indi­rek­te Weg ist der schwie­ri­ge­re der bei­den. Man muss sich näm­lich noch bes­ser über­le­gen, was man genau ver­gleicht.

Die US-Quel­len­steu­er auf Divi­den­den beträgt 30 Pro­zent. Japan zieht den Divi­den­den 20 Pro­zent an der Quel­le ab. Dank der Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men kön­nen auch nicht Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen einen Teil der Quel­len­steu­er zurück­for­dern (15 Pro­zent USA, 10 Pro­zent Japan). Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen pro­fi­tie­ren von einer zusätz­li­chen Ent­la­stung von 15 bzw. 10 Pro­zent, was so viel bedeu­tet, dass sie gar kei­ne Quel­len­steu­er mehr zah­len. Neh­men wir also an, dass der Ver­gleichs­fonds die Quel­len­steu­er soweit wie mög­lich zurück­holt (was aber nicht gewiss ist, da die Rück­for­de­rung mit rela­tiv viel Auf­wand ver­bun­den ist). Dann liegt die zusätz­li­che Ent­la­stung für den Pen­si­ons­fonds bei 15 % für die US-Quel­len­steu­er bezie­hungs­wei­se 10 % für die Quel­len­steu­er Japans.

Die USA und Japan haben einen Anteil am MSCI World von 70 Pro­zent. Bei einer aktu­el­len Divi­den­de von rund zwei Pro­zent resul­tiert allei­ne durch die­se bei­den Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men ein jähr­li­cher Vor­teil von 0.2 Pro­zent für Pen­si­ons­fonds (Quel­len­steu­er = QST):

Anteil am MSCI
World Index
Annah­me
Divi­den­de
Zusätz­li­che
Ent­la­stung QST
Ein­spa­rung
Quel­len­steu­er
USA60%2%15%0.186%
Japan9%2%10%0.016%
Total p.a. 0.202%

Partizipation an der Quellensteuerbefreiung erfordert Anlegerkreiskontrolle

Damit ein Fonds von der Steu­er an der Quel­le ent­la­stet wer­den kann, ist eine Anle­ger­kreis­kon­trol­le erfor­der­lich. Nur Anle­ger, die sich für die jewei­li­gen Kate­go­ri­en der Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men qua­li­fi­zie­ren, dür­fen in den Fonds inve­stie­ren. Anson­sten wird der Fonds ver­un­rei­nigt, was dazu führt, dass sämt­li­che Anteils­in­ha­ber nicht mehr von ihrer Son­der­stel­lung pro­fi­tie­ren kön­nen.

Um den Anle­ger­kreis unter Kon­trol­le zu haben, sind die Pen­si­ons­fonds nicht an der Bör­se kotiert. Es han­delt sich also nicht um Exchan­ge Tra­ded Funds (ETFs). Ein­ge­setzt wer­den ent­we­der Stra­te­gie­fonds oder Index­fonds, die ein­zig beim Her­aus­ge­ber gekauft wer­den kön­nen (einen detail­lier­ter Ver­gleich der ETFs mit Index­fonds fin­den Sie im ver­link­ten Bei­trag). Allen­falls wer­den für Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen eige­ne Fonds-Klas­sen oder ‑Tran­chen gebil­det. Für jede die­ser Klas­sen wird eine eige­ne Fonds­num­mer (ISIN) ver­ge­ben.

Zusammenfassung:

  • Ver­mö­gen in der Vor­sor­ge und die dar­auf resul­tie­ren­den Erträ­ge sind steu­er­frei.
  • Unab­hän­gig des­sen kann auf aus­län­di­schen Erträ­gen eine Quel­len­steu­er abge­zo­gen wer­den.
  • Fonds, die Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen vor­be­hal­ten sind, kön­nen einen gros­sen Teil der Quel­len­steu­ern dank Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men zurück­for­dern.
  • Pen­si­ons­fonds wei­sen gegen­über her­kömm­li­chen Fonds über die Jah­re eine Mehr­per­for­mance auf, die beim Ver­gleich der Fonds­ko­sten berück­sich­tigt wer­den soll­te.
  • Pen­si­ons­fonds unter­lie­gen einer Anle­ger­kreis­kon­trol­le, um sicher­zu­stel­len, dass das Fonds­ver­mö­gen nicht ver­un­rei­nigt wird.

Beachten Sie:

  • Nur weil ein Fonds als Vor­sor­ge­fonds bezeich­net wird, heisst dies noch lan­ge nicht, dass er die Quel­len­steu­er zurück­for­dert und zu Ihren Gun­sten ein­spart.
  • Ist der Vor­sor­ge­fonds auch an der Bör­se erhält­lich, kön­nen Sie davon aus­ge­hen, dass der Fonds nicht quel­len­steu­er­op­ti­miert ist.

Empfehlung:

  • Fra­gen Sie nach Vor­sor­ge­fonds, die die US-Quel­len­steu­er und die japa­ni­sche Quel­len­steu­er auf Divi­den­den voll­stän­dig zurück­for­dern.
  • Las­sen Sie sich den Per­for­mance­un­ter­schied zum Fonds ohne Anle­ger­kreis­kon­trol­le – wie in der ersten Tabel­le dar­ge­stellt – auf­zei­gen.

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