Pensionskasse für Wohneigentum beziehen

Wer ein Eigen­heim kau­fen will, braucht min­de­stens 20 Pro­zent Eigen­mit­tel. Rei­chen die frei­en Mit­tel nicht aus, kann ein Vor­be­zug aus der Pen­si­ons­kas­se gemacht wer­den. Bis zu zehn Pro­zent des Beleh­nungs­wer­tes kann man so aus Mit­teln der 2. Säu­le bereit­stel­len.

Und selbst wenn man über genü­gend freie Mit­tel ver­fügt, kann man die Pen­si­ons­kas­se vor­be­zie­hen. Die Hypo­the­kar­be­la­stung kann redu­ziert wer­den, um die Trag­bar­keit zu ver­bes­sern. Wei­ter kann der WEF-Vor­be­zug dazu ver­wen­det wer­den, um vor der Pen­sio­nie­rung einen gestaf­fel­ten Bezug ein­zu­lei­ten.

Auch die 3. Säu­le kann vor­be­zo­gen wer­den. Bei ihr gibt es kei­ne Limi­tie­rung auf zehn Pro­zent des Beleh­nungs­wer­tes. 3a-Gel­der kön­nen unein­ge­schränkt für selbst­ge­nutz­tes Wohn­ei­gen­tum oder zur Amor­ti­sa­ti­on der Hypo­thek ein­ge­setzt wer­den.

Ist man bei der Finan­zie­rung der Immo­bi­lie nicht auf die zwei­te und drit­te Säu­le ange­wie­sen, stellt sich die Fra­ge, was bes­ser ist, die Pen­si­ons­kas­se oder die 3. Säu­le vor­zu­be­zie­hen.

Konsequenzen eines WEF-Vorbezugs

Bevor man einen PK-Vor­be­zug macht, ist es wich­tig, sich der Kon­se­quen­zen bewusst zu sein:

  1. Beim Vor­be­zug fällt eine Kapi­tal­be­zugs­steu­er an. Zahlt man den Vor­be­zug spä­ter wie­der in die Pen­si­ons­kas­se zurück, kann man die Steu­er zurück­for­dern. Die defi­ni­ti­ve Steu­er­rech­nung kann dadurch bis zur Pen­sio­nie­rung auf­ge­scho­ben wer­den.
  2. Durch den Bezug kann eine Vor­sor­ge­lücke ent­ste­hen. Ihre Pen­si­ons­kas­se ist ver­pflich­tet, Sie dar­über zu infor­mie­ren, wel­chen Ein­fluss ein Vor­be­zug auf das vor­aus­sicht­li­che Alters­gut­ha­ben und die Deckung der Risi­ken Tod und Inva­li­di­tät hat.
  3. Bis sämt­li­che Vor­be­zü­ge voll­stän­dig zurück­be­zahlt sind, kön­nen kei­ne steu­er­be­gün­stig­ten Ein­käu­fe mehr vor­ge­nom­men wer­den.

Aus den genann­ten Grün­den kann es durch­aus Sinn machen, PK-Gel­der «nur» zu ver­pfän­den, statt vor­zu­be­zie­hen.

Wichtige Eckdaten zum WEF-Vorbezug

Ein Hin­weis vor­ab: Der Gesetz­ge­ber lässt den Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen bis zu sechs Mona­te Zeit für die Aus­zah­lung eines Vor­be­zugs. Obwohl in der Pra­xis deut­lich kür­ze­re Fri­sten üblich sind, lohnt es sich, die kon­kre­te Situa­ti­on mög­lichst rasch bei der eige­nen Pen­si­ons­kas­se in Erfah­rung zu brin­gen.

Erst 3 Jahre nach einem freiwilligen Einkauf zu empfehlen

Falls Sie in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren einen frei­wil­li­gen Ein­kauf in die Pen­si­ons­kas­se getä­tigt haben, emp­fiehlt es sich nicht, einen WEF-Vor­be­zug zu machen. Wenn Sie trotz­dem Geld vor­be­zie­hen, wird Ihnen der Steu­er­ab­zug, den Sie mit dem frei­wil­li­gen Ein­kauf machen konn­ten, nach­träg­lich auf­ge­rech­net. Sie müs­sen eine Nach­steu­er bezah­len.

Einschränkung ab 50 Jahren

Grund­sätz­lich kann man das gesam­te Alters­gut­ha­ben vor­be­zie­hen. Es gibt somit kei­nen eigent­li­chen Maxi­mal­be­trag, abge­se­hen von den Eigen­mit­tel­vor­ga­ben der Ban­ken, die besa­gen, dass maxi­mal 10 Pro­zent des Beleh­nungs­wer­tes aus der 2. Säu­le stam­men dür­fen.

Ab 50 sieht es anders aus. Ab dem 50. Geburts­tag darf maxi­mal die Hälf­te des aktu­el­len Alters­gut­ha­bens bezo­gen wer­den oder das, was man mit 50 hät­te bezie­hen dür­fen. Falls das aktu­el­le Gut­ha­ben mehr als dop­pelt so hoch ist, wie das Gut­ha­ben mit 50, dann kann man mehr bezie­hen als mit 50, sonst nicht.

WEF-Vorbezug mit 50
Maxi­mal­be­trag für einen WEF-Vor­be­zug ab 50

Mindestens 20’000 Franken pro Bezug

Der Min­dest­be­trag für einen WEF-Vor­be­zug liegt bei 20’000 Fran­ken. Beträ­ge von meh­re­ren Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen kön­nen nicht zusam­men­ge­zählt wer­den. Die Limi­te gilt pro Bezug und Vor­sor­ge­ein­rich­tung sepa­rat.

Für die Betei­li­gung an Wohn­bau­ge­nos­sen­schaf­ten gibt es kei­nen Min­dest­be­trag. Auch für den Bezug von Frei­zü­gig­keits­gut­ha­ben gibt es kei­nen gesetz­li­chen Min­dest­be­trag. Da sowohl Pen­si­ons­kas­sen als auch Frei­zü­gig­keits­stif­tun­gen oft pau­scha­le Bear­bei­tungs­ge­büh­ren von meh­re­ren hun­dert Fran­ken ver­rech­nen, lohnt es sich mei­sten trotz­dem nicht, nur ein paar tau­send Fran­ken zu bezie­hen.

Nur alle 5 Jahre möglich

Ein WEF-Vor­be­zug ist nur alle fünf Jah­re mög­lich. Die­se Vor­schrift gilt jedoch für jede Vor­sor­ge­ein­rich­tung ein­zeln. Wenn Sie also über Geld bei meh­re­ren Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen wie Pen­si­ons­kas­sen, 1e-Sam­mel­stif­tun­gen oder Frei­zü­gig­keits­stif­tun­gen ver­fü­gen, sind wäh­rend den fünf Jah­ren meh­re­re Vor­be­zü­ge mög­lich: Ein­mal von der Pen­si­ons­kas­se, das ande­re mal von der Frei­zü­gig­keits­stif­tung usw.

Bis 3 Jahre vor der Pensionierung

In der Regel ist ein WEF-Vor­be­zug nur bis drei Jahr vor Errei­chen des ordent­li­chen Ren­ten­al­ters mög­lich. Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen kön­nen die­se Frist ver­kür­zen oder ganz dar­auf ver­zich­ten. Fra­gen Sie bei Ihrer Pen­si­ons­kas­se nach und erkun­di­gen Sie sich nach der gel­ten­den Rege­lung im Regle­ment.

Einschränkung bei einer Unterdeckung möglich

Wenn die Pen­si­ons­kas­se sich in einer Unter­deckung befin­det, kann es sein, dass kein Vor­be­zug mög­lich ist oder die­ser erst zeit­lich ver­zö­gert erfol­gen kann. Klä­ren Sie des­halb früh­zei­tig ab, wie die Situa­ti­on bei Ihrer Pen­si­ons­kas­se ist.

Was gilt als Investition in ein Eigenheim?

Pen­si­ons­kas­sen­gel­der kön­nen nur für Objek­te ein­ge­setzt wer­den, die man selbst bewohnt. Für Zweit­woh­nun­gen kön­nen kei­ne WEF-Bezü­ge getä­tigt wer­den. Nur für den Erst­wohn­sitz ist dies mög­lich, und zwar in fol­gen­den Fäl­len:

  • Kauf einer Woh­nung oder eines Hau­ses
  • Bau eines Hau­ses
  • Betei­li­gung an einer Wohn­bau­ge­nos­sen­schaft (oder der­glei­chen)
  • Rück­zah­lung von Hypo­the­kar­dar­le­hen

Auch für Umbau­ten oder Reno­va­tio­nen kön­nen Pen­si­ons­kas­sen­gel­der ein­ge­setzt wer­den. Jedoch nicht für den lau­fen­den Unter­halt oder für Hypo­the­kar­zin­sen.

Nicht mög­lich ist der WEF-Vor­be­zug beim Kauf von Bau­land. Erst wenn für das Land ein bewil­lig­tes Bau­pro­jekt vor­liegt, kann ein Bezug erfol­gen.

Spezialfall: Mehrfamilienhaus

Auch für Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser kann PK-Geld vor­be­zo­gen wer­den. Dabei ist uner­heb­lich, ob es sich um Stock­werk­ein­hei­ten han­delt oder nicht. Solan­ge eine der Woh­nun­gen selbst bewohnt wird, sind die gesetz­li­chen Bedin­gun­gen erfüllt (Woh­nung + Eigen­tum).

Die Höhe des Vor­be­zugs ist auch bei einem Mehr­fa­mi­li­en­haus auf 10 Pro­zent des Beleh­nungs­wer­tes beschränkt. Mass­ge­bend ist aller­ding nicht der Beleh­nungs­wert der gesam­ten Immo­bi­lie son­dern nur der Woh­nung, die man sel­ber bewohnt. Der Anteil des Wer­tes der selbst bewohn­ten Woh­nung am gesam­ten Mehr­fa­mi­li­en­haus muss dem­nach aus­ge­schie­den wer­den.

Spezialfall: Liegenschaft im Ausland

Auch Wohn­raum im Aus­land kann nur mit PK-Gel­dern mit­fi­nan­ziert wer­den, wenn er selbst bewohnt wird. Für Zweit­woh­nun­gen kann die Pen­si­ons­kas­se wie­der­um nicht bezo­gen wer­den.

Für Grenz­gän­ger und Per­so­nen, die sich in der EU/EFTA nie­der­las­sen, ist es eben­falls mög­lich, von der Wohn­ei­gen­tums­för­de­rung zu pro­fi­tie­ren. Für sie gilt die Regel, dass nur 10 Pro­zent des Beleh­nungs­wer­tes mit Mit­tel aus der 2. Säu­le finan­ziert wer­den dür­fen, nur bedingt. Bei die­ser Regel han­delt es sich näm­lich um eine Selbst­re­gu­lie­rung der Schwei­zer Ban­ken. Falls das Objekt durch eine aus­län­di­sche Bank finan­ziert wird, gel­ten ande­re Regeln.

Wenn Sie sich aus­ser­halb der EU/EFTA nie­der­las­sen (Aus­wan­de­rung), kön­nen Sie die Pen­si­ons­kas­se ohne­hin voll­stän­dig bezie­hen. Der Bezug muss nicht im Zusam­men­hang mit dem Kauf von Wohn­ei­gen­tum ste­hen.

Spezialfall: Ersatzbeschaffung

Pla­nen Sie Ihr Eigen­heim zu ver­kau­fen und ein ande­res Eigen­heim zu kau­fen? Dann kön­nen Sie den Vor­be­zug nach der Ver­äus­se­rung Ihres bis­he­ri­gen Eigen­heims auf ein Frei­zü­gig­keits­kon­to ein­zah­len. Sie haben zwei Jah­re Zeit für den Kauf des neu­en Wohn­ei­gen­tums und kön­nen den Vor­be­zug wie­der als Eigen­mit­tel ein­brin­gen.

Sicherung des Vorsorgezweckes

Damit der Zweck der Vor­sor­ge­gel­der erhal­ten bleibt, wird beim Bezug im Grund­buch eine Ver­äus­se­rungs­be­schrän­kung ein­ge­tra­gen. Sie bewirkt, dass man das Wohn­ei­gen­tum nur dann ver­äus­sern darf, wenn der Vor­be­zug gleich­zei­tig in die Pen­si­ons­kas­se zurück­be­zahlt wird. Ist der Ver­kaufs­er­lös (Ver­kaufs­preis abzüg­lich Hypo­the­kar­schul­den und Über­schrei­bungs­ko­sten) tie­fer als der Vor­be­zug, muss nur der Ver­kaufs­er­lös zurück­be­zahlt wer­den.

Bezug oder doch lieber Verpfändung?

Obwohl wir bis­her immer von einem Bezug gespro­chen haben, gilt es zu beach­ten, dass es auch die Mög­lich­keit gibt, die Pen­si­ons­kas­se zu ver­pfän­den:

  • Die Ver­pfän­dung hat gegen­über dem Bezug den Vor­teil, dass (noch) kei­ne Kapi­tal­be­zugs­steu­er bezahlt wer­den muss. Die Steu­er kann somit auf spä­ter auf­ge­scho­ben wer­den.
  • Zudem sind wei­ter­hin Ein­käu­fe in die Pen­si­ons­kas­se mög­lich, was bei einem Vor­be­zug erst wie­der erlaubt ist, nach­dem die­ser voll­stän­dig zurück­be­zahlt wur­de.
  • Wei­ter kann ein Vor­be­zug die Lei­stun­gen bei Inva­li­di­tät und im Todes­fall redu­zie­ren (muss aber nicht). Bei der Ver­pfän­dung wer­den die Lei­stun­gen nicht redu­ziert.
  • Schliess­lich kann es sogar sein, dass Sie von der Pen­si­ons­kas­se mehr Zins erhal­ten, als Sie für die Hypo­thek bezah­len müs­sen.

Sie sehen also, wenn Sie genü­gend freie Mit­tel haben und die Trag­bar­keit es erlaubt, spricht vie­les für eine Ver­pfän­dung und gegen einen Vor­be­zug.

ver­fasst am 19.05.2020


Für Infor­ma­tio­nen zu unse­ren Ange­bo­ten, dem Frei­zü­gig­keitspa­ren mit Wert­schrif­ten und der indi­vi­du­el­len Kader­vor­sor­ge 1e, ste­hen wir Ihnen per­sön­lich unter der Num­mer 041 500 22 26 oder per E‑Mail an info@finpension.ch zur Ver­fü­gung.