Welche Kosten können bei Vorsorgefonds anfallen?

«Zur Hausbank gehen» versus «sich selber ein Bild machen»

Haben Sie sich ent­schie­den, mehr aus Ihrer Frei­zü­gig­keits­lei­stung her­aus­zu­ho­len? Sei es, weil Sie für län­ge­re Zeit kei­ner bezahl­ten Arbeit nach­ge­hen. Oder, weil sie mög­li­che tem­po­rä­re Ver­lu­ste finan­zi­ell ver­kraf­ten kön­nen (vgl. Was müs­sen Sie beach­ten, wenn Sie Ihre Frei­zü­gig­keits­lei­stung anle­gen möch­ten?). Dann ste­hen Sie ver­mut­lich vor der schwie­ri­gen Ent­schei­dung, wie Sie Ihren Wunsch umset­zen. Natür­lich kön­nen Sie nun zu Ihrer Haus­bank gehen und fra­gen, was sie anbie­tet. Die Wahr­schein­lich­keit, dass Sie auf die­sem Weg Geld ver­schen­ken, ist jedoch rela­tiv hoch (vgl. Mehr­wert berech­nen).

Damit Sie sich eine Bild machen kön­nen, zei­gen wir Ihnen in die­sem Bei­trag, wor­auf Sie beim Ver­gleich von Wert­schrif­ten­lö­sun­gen in der Vor­sor­ge ach­ten müs­sen. Wir gehen auf alle gän­gi­gen Kosten­fak­to­ren ein und erklä­ren Ihnen, was dar­un­ter zu ver­ste­hen ist.

Welche Kostenkomponenten gibt es und was ist unter ihnen zu verstehen?

Bevor wir star­ten, möch­ten wir dar­auf hin­wei­sen, dass der Krea­ti­vi­tät bei der Ver­rech­nung von Gebüh­ren nahe­zu kei­ne Gren­zen gesetzt sind. Obwohl Anbie­ter die Pflicht haben, Sie über die Prei­se zu infor­mie­ren, liegt es an Ihnen, voll­stän­di­ge Trans­pa­renz ein­zu­for­dern.

Produktkosten: Total Expense Ratio (TER)

Begin­nen wir mit der TER, der Total Expen­se Ratio. Mit ihr wer­den die Kosten der Fonds­ver­wal­tung aus­ge­wie­sen, die dem Fonds­ver­mö­gen direkt bela­stet wer­den. Die­ser Kosten­fak­tor fin­den Sie im Facts­heet des Anla­ge­fonds. Er heisst bei der UBS Betriebs­auf­wands­quo­te (BAQ) und bei der Credit Suis­se Betriebs­auf­wands­quo­te (TER KGAST). Ande­re Fonds­an­bie­ter nen­nen ihn «Lau­fen­de Kosten» oder «Pau­schal­ko­sten». Wei­ter fin­den sich die Bezeich­nun­gen «Ver­wal­tungs­ge­bühr» oder «Manage­ment Fee» in den Facts­he­ets der Vor­sor­ge­fonds wie­der. Die letz­te­ren bei­den beinhal­ten jedoch in der Regel nicht die gesam­ten Pro­dukt­ko­sten.

Inve­stiert der ein­ge­setz­te Fonds in ande­re Fonds, wird er als Dach­fonds oder Umbrella­fonds bezeich­net. Dann müs­sen Sie zusätz­lich berück­sich­ti­gen, dass die Sub­fonds eben­falls Kosten ver­ur­sa­chen, die aber unter Umstän­den in der TER des Dach­fonds nicht berück­sich­tigt wer­den. Denn gemäss den Richt­li­ni­en der Kon­fe­renz der Geschäfts­füh­rer von Anla­ge­s­tif­tun­gen (TER KGAST) müs­sen die Kosten der Sub­fonds im Dach­fonds nur berück­sich­tigt wer­den, wenn Sie ins­ge­samt mehr als 10 % des Net­to­ver­mö­gens des Dach­fonds aus­ma­chen. Ver­bind­lich sind die Richt­li­ni­en aus­ser­dem nicht. Sie gel­ten nur, wenn die TER KGAST aus­ge­wie­sen wird. Die kumu­lier­te TER wird auch als syn­the­ti­sches TER bezeich­net.

Ein umfas­sen­der Ver­gleich der Gebüh­ren (TER) von Vor­sor­ge­fonds fin­den Sie hier.

Vertriebsgebühren: Ausgabe- und Rücknahmekommission

Die­se Kom­mis­si­on kommt dann zur Anwen­dung, wenn Sie die Fonds­an­tei­le kau­fen oder ver­kau­fen. Sie wird oft in Form eines maxi­ma­len Pro­zent­sat­zes publi­ziert und beträgt bis zu 5 %. Bild­lich gespro­chen heisst das, dass Sie mit einem Rück­stand von bis zu 5 % an den Start gehen. Die­ses Han­di­cap wird nicht in der Per­for­mance Ihres Depots aus­ge­wie­sen, da die Gebühr abge­zo­gen wird, bevor die Anla­gen gekauft wer­den. Wenn Sie die Anla­gen liqui­die­ren las­sen, wird Ihrem Vor­sor­ge­ver­mö­gen teil­wei­se noch­mals bis zu 5 % abge­zo­gen. Im schlech­te­sten Fall müs­sen Sie nur schon mit der Aus­ga­be- und Rück­nah­me­kom­mis­si­on über 10 % Ren­di­te erzie­len, bis Sie mit Ihren Anla­gen in den grü­nen Bereich kom­men. Das ist natür­lich kei­ne gute Aus­gangs­la­ge. Doch es gibt auch Ange­bo­te, die ohne Aus­ga­be- und Rück­nah­me­kom­mis­sio­nen aus­kom­men. Die Aus­ga­be- und Rück­nah­me­kom­mis­si­on wird in der Regel dazu ver­wen­det, den Vertrieb(spartner) zu ent­schä­di­gen. Sie wird manch­mal auch als Aus­ga­be­auf­schlag oder Rück­nah­me­ab­schlag bezeich­net.

Wäh­rungs­trans­ak­tio­nen haben die glei­chen Aus­wir­kun­gen wie Aus­ga­be- und Rück­nah­me­kom­mis­sio­nen. Wenn Sie einen Fonds in einer ande­ren Wäh­rung kau­fen, bei­spiels­wei­se in USD, dann müs­sen Sie zuerst US-Dol­lar kau­fen. Beim Kauf der US-Dol­lar zah­len Sie der Bank einen Kurs, der gut und ger­ne ein Pro­zent höher ist als der Mit­tel­kurs. Wenn Sie die Fonds wie­der ver­kau­fen und die US-Dol­lar in Schwei­zer Fran­ken zurück­wech­seln, ver­dient die Bank noch­mals, da Sie Ihnen einen schlech­te­ren Kurs gibt. Viel­leicht ken­nen Sie die­ses Spiel vom Wech­seln von Fremd­wäh­run­gen für die Feri­en.

Verwässerungsschutz: Ausgabe- und Rücknahmespreads

Die Aus­ga­be- und Rück­nah­me­kom­mis­sio­nen dür­fen nicht ver­wech­selt wer­den mit den Aus­ga­be- und Rück­nah­me­spreads. Der Spread ist die Spann­wei­te zwi­schen Kauf- und Ver­kaufs­kurs. Steht im Facts­heet neben die­ser Pro­zent­zahl die Anmer­kung «ver­bleit im Anla­ge­ver­mö­gen» oder etwas ähn­li­ches, ist der Fall klar. Dann han­delt es sich nicht um eine Gebühr zur Deckung der Kosten der Fonds­ver­wal­tung. Der Spread dient dann dazu, dass die bis­he­ri­gen Fonds­in­ha­ber durch Ihr Hin­zu­stos­sen zum Fonds nicht benach­tei­ligt wer­den. Das Gan­ze nennt man Ver­wäs­se­rungs­schutz.

Der Ver­wäs­se­rungs­schutz kurz erklärt: Wenn Sie Geld in einen Fonds inve­stie­ren, muss der Fonds zusätz­li­che Antei­le der gehal­te­nen Titel kau­fen. Abhän­gig davon, wie liquid die Titel sind, gibt es eine mehr oder weni­ger gros­se Spann­wei­te zwi­schen Kauf- und Ver­kaufs­kurs (Spread). Damit nun der Fonds auf die­sen Spre­ad­ko­sten, die zwi­schen Kauf- und Ver­kauf anfal­len, nicht sit­zen bleibt, ver­rech­net er die­se Kosten den Per­so­nen wei­ter, die neu in den Fonds inve­stie­ren, also Ihnen. Sie bezah­len mit dem Ver­wäs­se­rungs­schutz also kei­ne Löh­ne von Fonds­ma­na­gern, son­dern nur das, was Sie sel­ber auf­grund Ihres Ein­tritts in den Fonds ver­ur­sa­chen. Die Spre­ad­ko­sten der dazu­ge­kauf­ten Titel wer­den an Sie wei­ter­ge­ge­ben.

Übri­gens: Akti­en wei­sen dank ihrer höhe­ren Han­dels­ak­ti­vi­tät (Liqui­di­tät) oft einen klei­ne­ren Spread auf als Obli­ga­tio­nen.

Weitere Transaktionskosten

Wei­te­re mög­li­che Kosten­kom­po­nen­ten sind Cour­ta­gen, Bör­sen­ge­büh­ren und Stem­pel­ab­ga­ben. Cour­ta­gen sind Gebüh­ren, die Ban­ken für die Abwick­lung von Bör­sen­trans­ak­tio­nen erhe­ben. Sie kön­nen pau­schal (Ticket-Fee) oder pro­zen­tu­al auf dem Trans­ak­ti­ons­vo­lu­men fest­ge­legt sein. Zudem gibt es Bör­sen­ge­büh­ren, die je nach Bank dem Kun­den wei­ter­be­la­stet wer­den oder nicht.

Die Eid­ge­nös­si­sche Stem­pel­ab­ga­be (offi­zi­ell Umsatz­ab­ga­be genannt) beträgt 0.075 % für inlän­di­sche Wert­pa­pie­re und 0.15 % für aus­län­di­sche Wert­pa­pie­re (je Ver­trags­par­tei). Sie wird fäl­lig beim Kauf- oder Ver­kauf von Wert­schrif­ten. Auf inlän­di­sche Index­fonds fal­len im Gegen­satz zu ETFs kei­ne Stem­pel­ab­ga­ben an, da sie nicht an der Bör­se gehan­delt wer­den (vgl. Ver­gleich ETFs und Index­fonds).

Depot- und Stiftungsgebühren

Zu guter Letzt ver­lan­gen Anbie­ter von Vor­sor­ge­lö­sun­gen oft eine Depot­ge­bühr für die Ver­wah­rung der ein­ge­setz­ten Wert­schrif­ten. Sie schrei­ben die Divi­den­den gut und schicken peri­odisch einen Per­for­mance­aus­zug. Teil­wei­se wird auch eine Stif­tungs­ge­bühr ver­langt, da nur Stif­tun­gen Trä­ger von Vor­sor­ge­lö­sun­gen sein kön­nen. Die Stif­tungs­ge­bühr kann in eine pro­zen­tua­le und eine pau­scha­le Kom­po­nen­te unter­teilt sein.

Performancegebühr

Die Per­for­mance­ge­bühr ist an die Wert­ent­wick­lung des Fonds gebun­den. Sie ist vor allem bei alter­na­ti­ven Invest­ments wie zum Bei­spiel Hedge­fonds ver­brei­tet, kann in Aus­nah­men aber auch in Stra­te­gie- oder Akti­en­fonds vor­kom­men. Die­se Gebühr wird ver­rech­net, wenn der Fonds in einer vor­de­fi­nier­ten Peri­ode eine posi­ti­ve Wert­ent­wick­lung auf­weist.

Quellensteuern

Ver­mö­gen in der Vor­sor­ge sind grund­sätz­lich steu­er­frei. Trotz­dem kön­nen Steu­ern anfal­len, wenn in aus­län­di­sche Wert­schrif­ten inve­stiert wird. Divi­den­den und Zin­sen wer­den eine Steu­er an der Quel­le abge­zo­gen. Ob und inwie­fern die­se Quel­len­steu­er zurück­ge­for­dert wer­den kann, erläu­tern wir in einem sepa­ra­ten aus­führ­li­chen Bei­trag: https://finpension.ch/quellensteuern-vermeiden/

Hin­weis: Die­se Auf­li­stung erhebt nicht den Anspruch an Voll­stän­dig­keit. Der Bei­trag beschränkt sich auf die gän­gi­gen Kosten­kom­po­nen­ten von Wert­schrif­ten­lö­sun­gen in der Vor­sor­ge.

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