Der gestaffelte Bezug: Ein Modellentwurf

Neh­men wir an, Herr Mei­er plant ordent­lich in Pen­si­on zu gehen, also mit 65 Jah­ren. Neh­men wir wei­ter an, er bezieht dann die Pen­si­ons­kas­se – zumin­dest teil­wei­se – in Kapi­tal­form. Dann bie­tet sich an, dass er 3a-Kon­ti vor der Pen­sio­nie­rung bezieht und den Bezug all­fäl­li­ger Frei­zü­gig­keits­kon­ti auf­schiebt. War­um erklä­ren wir in die­sem Bei­trag.

Gestaffelter Bezug
Der Modell­ent­wurf, wie man Vor­sor­ge­gel­der gestaf­felt bezie­hen kann.

Erläuterung des Modellentwurfs zum gestaffelten Bezug

Kapitalbezugssteuer ist progressiv

Beim Bezug der Vor­sor­ge der 2. und 3. Säu­le fal­len Steu­ern an. Nicht nur der Steu­er­be­trag, son­dern auch die Steu­er in Pro­zent nimmt mit zuneh­men­der Höhe des Kapi­tal­be­zugs zu. Das wird Steu­er­pro­gres­si­on genannt. Da Kapi­tal­be­zü­ge der 2. und 3. Säu­le im sel­ben Jahr zusam­men­ge­rech­net wer­den (auch für Ehe­part­ner), zah­len Sie mehr Steu­ern, wenn Sie alles im sel­ben Jahr bezie­hen, als wenn Sie die Bezü­ge über meh­re­re Jah­re staf­feln.

Gestaffelter Bezug muss geplant werden

Ein gestaf­fel­ter Bezug muss jedoch geplant wer­den. Denn es ist nicht mög­lich 3a- und Frei­zü­gig­keits­kon­ti nach­träg­lich zu split­ten. Bei Frei­zü­gig­keits­kon­ti ist eine Auf­tei­lung auf zwei unter­schied­li­che Frei­zü­gig­keits­ein­rich­tun­gen mög­lich, jedoch ein­zig im Zeit­punkt des Aus­tritts aus der Pen­si­ons­kas­se. 3a-Kon­ti kön­nen gar nie gesplit­tet wer­den. Sie müs­sen schau­en, dass Sie meh­re­re 3a-Kon­ti auf­bau­en, bevor Sie die­se bezie­hen.

Ein Aufschub des Bezugs von 3a-Konti ist nur möglich bei Nachweis einer Erwerbstätigkeit

Der Bezug von Frei­zü­gig­keits­kon­ti kön­nen Sie um bis zu fünf Jah­re über das Pen­si­ons­al­ter hin­aus auf­schie­ben. Sie müs­sen im Gegen­satz zum 3a-Kon­to kei­nen Nach­weis erbrin­gen, dass Sie wei­ter­hin erwerbs­tä­tig sind. Daher bie­tet sich an, all­fäl­li­ge Frei­zü­gig­keits­kon­ti nach der ordent­li­chen Pen­sio­nie­rung zu bezie­hen und 3a-Kon­ti vor der Pen­sio­nie­rung.

WEF-Vorbezug und Teilpensionierung als weitere Möglichkeiten zu staffeln

Wei­te­re Mög­lich­kei­ten, den Kapi­tal­be­zug aus der Vor­sor­ge zu staf­feln sind der Vor­be­zug für Wohn­ei­gen­tum (WEF-Vor­be­zug) und die Teil­pen­sio­nie­rung. In bei­den Fäl­len kön­nen Sie danach jedoch kei­ne frei­wil­li­gen Ein­käu­fe mehr täti­gen. Haben Sie sich bereits in die vol­len regle­men­ta­ri­schen Lei­stun­gen ein­ge­kauft, bie­tet sich ein WEF-Vor­be­zug bzw. eine Teil­pen­sio­nie­rung ergän­zend zur Staf­fe­lung der Frei­zü­gig­keits- und 3a-Kon­ti an.

Nicht zu verwechseln mit den regulatorischen Möglichkeiten

Die­ser Modell­ent­wurf darf nicht mit den regu­la­to­ri­schen Bezugs­mög­lich­kei­ten ver­wech­selt wer­den. Auch Frei­zü­gig­keits­kon­ti kön­nen bis zu fünf Jah­re vor dem ordent­li­chen Pen­si­ons­al­ter bezo­gen wer­den. Dann kann es aller­dings dazu füh­ren, dass Sie nicht das vol­le Poten­zi­al der Staf­fe­lung aus­schöp­fen, da Sie allen­falls gleich­zei­tig 3a-Kon­ti bezie­hen müs­sen, die Sie ohne Erwerbs­tä­tig­keit nicht über das Pen­si­ons­al­ter hin­aus auf­schie­ben kön­nen.

Es winken Steuerersparnisse von bis zu 70 %

Ins­ge­samt zäh­len wir zwölf Jah­re im Modell­ent­wurf zum gestaf­fel­ten Bezug. Das bedingt jedoch, dass man fünf Frei­zü­gig­keits­kon­ti besitzt, was äus­serst sel­ten der Fall sein dür­fe, da man Frei­zü­gig­keits­gel­der beim Ein­tritt in eine neue Pen­si­ons­kas­se in der Regel wie­der ein­brin­gen muss. Wir rech­nen daher nur mit acht Jah­ren für die Staf­fe­lung der Kapi­tal­be­zü­ge. Und obwohl die Höhe die­ser Kapi­tal­be­zü­ge in der Pra­xis sehr unter­schied­lich sein wer­den, rech­nen wir hier mit einem Durch­schnitts­wert. Wir ver­glei­chen also den Bezug von einer Mil­li­on Fran­ken auf ein­mal oder in acht gleich­mäs­si­gen Tran­chen:

 Steu­ern ohne
Staf­fe­lung in CHF
Steu­ern mit
Staf­fe­lung in 8 Tran­chen in CHF
Steu­er­erspar­nis
in CHF
Steu­er­erspar­nis
in %
AG, Aar­au88’57956’03232’54736.7%
AI, Appen­zell55’20038’74416’45629.8%
AR, Heri­s­au111’79881’99229’80626.7%
BE, Bern98’12452’12046’00446.9%
BL, Lies­tal95’60040’99254’60857.1%
BS, Basel99’75061’99237’75837.9%
FR, Fri­bourg123’97063’20060’77049.0%
GE, Genè­ve85’05351’68033’37339.2%
GL, Gla­rus70’00054’99215’00821.4%
GR, Chur98’20045’59252’60853.6%
JU, Delé­mont101’25268’75232’50032.1%
LU, Luzern87’41858’64828’77032.9%
NE, Neu­châ­tel89’31266’64022’67225.4%
NW, Stans79’21061’67217’53822.1%
OW, Sar­nen74’19259’18415’00820.2%
SG, St. Gal­len79’32064’32015’00018.9%
SH, Schaff­hau­sen63’19442’89620’29832.1%
SO, Solo­thurn79’17556’25622’91928.9%
SZ, Schwyz118’00033’83284’16871.3%
TG, Frau­en­feld85’64070’63215’00817.5%
TI, Bel­lin­zo­na144’10646’59297’51467.7%
UR, Alt­dorf60’05045’04015’01025.0%
VD, Lau­sanne136’17982’57653’60339.4%
VS, Sion103’00049’99253’00851.5%
ZG, Zug64’14739’49624’65138.4%
ZH, Zürich160’88251’792109’09067.8%

Annah­me: Nicht ver­hei­ra­tet, ohne Kin­der, ohne Kon­fes­si­on
Quel­le: postfinance.ch

Was die Rechnung nicht berücksichtigt

Wenn Sie Vor­sor­ge­gel­der vor­zei­tig bezie­hen, fal­len die­se auch vor­zei­tig ins Pri­vat­ver­mö­gen zurück. Sie müs­sen die Ver­mö­gens­wer­te in der Steu­er­erklä­rung dekla­rie­ren und bezah­len Ver­mö­gens­steu­ern. Legen Sie die bezo­ge­nen Vor­sor­ge­gel­der im Pri­vat­ver­mö­gen ertrags­reich (Divi­den­den, Zin­sen usw.) an, zah­len Sie auf die­sen Erträ­gen Ein­kom­mens­steu­ern. Wie hoch die Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­steu­ern sind, ist davon abhän­gig, wie hoch Ihre Ver­mö­gen und Ein­kom­men sonst schon ist und wo Sie woh­nen. Je nach dem kann es den Effekt der Steu­er­erspar­nis durch die Staf­fe­lung mehr oder weni­ger redu­zie­ren oder im Extrem­fall sogar zunich­te­ma­chen.

Ausblick aus steuerrechtlicher Sicht

Zum Schluss möch­ten wir dar­auf hin­wei­sen, dass die Steu­er­be­hör­den einem gestaf­fel­ten Bezug zuneh­mend kri­tisch ent­ge­gen­ste­hen. Obwohl die Geset­zes­la­ge eine Staf­fe­lung nach wie vor zulässt, gibt es Gren­zen. Eine wur­de bereits erwähnt. So kön­nen nach einem WEF-Vor­be­zug oder einer Teil­pen­sio­nie­rung kei­ne Ein­käu­fe mehr in die Pen­si­ons­kas­se getä­tigt wur­de. Wei­ter kann es sein, dass sich die Geset­zes­la­ge in Zukunft ändern wird und eine Staf­fe­lung wei­ter ein­schränkt oder des­sen Steu­er­vor­teil eli­mi­niert. Mög­li­ches Sze­na­rio: Kapi­tal­be­zü­ge wer­den von den Steu­er­be­hör­den umge­hend ver­an­lagt und in Rech­nung gestellt. Erfolgt ein wei­te­rer Kapi­tal­be­zug im sel­ben Jahr, wird die erste Ver­an­la­gung bereits heu­te revi­diert. Es ist mög­lich, dass die­ses System in Zukunft auch für den gestaf­fel­ten Bezug über meh­re­re Jah­re ange­wen­det wird.

ver­fasst am 27.02.2020


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