Was Sie beachten müssen, wenn Sie Ihr Freizügigkeitskonto anlegen möchten

Die Zinswüste hat sich auf die Freizügigkeitskonti ausgebreitet

Egal wie man den Ver­gleich anstellt, es kommt immer das­sel­be raus: Auf Frei­zü­gig­keits­kon­ti kriegt man kei­nen Zins mehr. Bei einer Teue­rung von 0.9 Pro­zent (2018) ver­liert das Geld jähr­lich fast ein Pro­zent an Wert. Das ist die schlech­te Nach­richt.

Die gute Nach­richt: Wen die­se Situa­ti­on nicht befrie­digt, für den gibt es eine Alter­na­ti­ve: Die Anla­ge der Frei­zü­gig­keits­gel­der in Wert­schrif­ten. Die­ser Aus­weg aus der Zins­wü­ste will aber wohl über­legt sein. Was zu beach­ten ist, erklä­ren wir in die­sem Bei­trag.

Splitting der Freizügigkeitsleistung kann sehr vorteilhaft sein

Bevor wir los­le­gen, ein wich­ti­ger Hin­weis: Tre­ten Sie dem­nächst aus einer Pen­si­ons­kas­se aus, kön­nen Sie ver­lan­gen, dass Ihre Frei­zü­gig­keits­lei­stung gesplit­tet wird (Art. 12 Abs. 1 Frei­zü­gig­keits­ver­ord­nung). Sie kön­nen Ihre Frei­zü­gig­keits­lei­stung auf­tei­len und auf zwei unter­schied­li­che Frei­zü­gig­keits­ein­rich­tun­gen über­tra­gen las­sen.

Ihre Vor­tei­le bei einem Split­ting sind viel­fäl­tig: Einer­seits erhal­ten Sie dadurch mehr Fle­xi­bi­li­tät bei der Anla­ge der Frei­zü­gig­keits­gel­der. Sie kön­nen ein Teil auf ein Frei­zü­gig­keits­kon­to ein­zah­len, den ande­ren Teil in Wert­schrif­ten inve­stie­ren. Ande­rer­seits kön­nen Sie (allen­falls) einer der bei­den Töp­fe beim Wie­der­ein­kauf in eine neue Pen­si­ons­kas­se ste­hen las­sen. So kön­nen Sie den übri­gen Topf wei­ter­hin selbst­be­stimmt anle­gen und lei­den weni­ger unter den ver­brei­te­ten Umver­tei­lungs­ef­fek­ten im Vor­sor­ge­sy­stem der zwei­ten Säu­le. Zu guter Letzt kön­nen Sie mit meh­re­ren Töp­fen Ihre Vor­sor­ge­gut­ha­ben gestaf­felt bezie­hen und so zum Teil beträcht­lich Steu­ern spa­ren.

Wann ist eine Anlage von Freizügigkeitsguthaben sinnvoll?

Nun zurück zum eigent­li­chen The­ma, der Fra­ge, ob für Sie eine Anla­ge der Frei­zü­gig­keits­gel­der Sinn macht. Am wich­tig­sten zur Beant­wor­tung die­ser Fra­ge ist Ihr Anla­ge­ho­ri­zont. Kön­nen Sie die Gel­der bis zu Ihrer Pen­sio­nie­rung inve­stiert las­sen, oder müs­sen Sie sie bald wie­der in eine Pen­si­ons­kas­se ein­brin­gen? Je län­ger Ihre Anla­ge­ho­ri­zont ist, umso eher kön­nen Sie tem­po­rä­re Wert­ver­lu­ste wie­der wett­ge­ma­chen. Zwar gibt es auch Anla­ge­mög­lich­kei­ten für kur­ze Anla­ge­ho­ri­zon­te, dann emp­feh­len wir jedoch eine risi­ko­ar­me Stra­te­gie. Ganz um Kurs­schwan­kun­gen her­um kom­men Sie aber selbst dann nicht, da auch Obli­ga­tio­nen Kurs­schwan­kun­gen unter­lie­gen. Im Gegen­satz zu den Schwan­kun­gen bei Akti­en fal­len die­se aber gerin­ger aus.

Ein wei­te­res wich­ti­ges Kri­te­ri­um für Ihren Ent­scheid, ob Sie Frei­zü­gig­keits­gel­der in Wert­schrif­ten anle­gen soll­ten oder nicht, ist Ihre gesam­te Ver­mö­gens­si­tua­ti­on. Wenn das Gut­ha­ben auf dem Frei­zü­gig­keits­kon­to nur einen klei­nen Anteil an Ihrem Ver­mö­gen aus­macht und Sie sonst eher risi­ko­arm inve­stiert sind, kön­nen Sie grund­sätz­lich mehr Risi­ko ein­ge­hen. Sie lau­fen nicht Gefahr, in schlech­ten Bör­sen­la­gen einen gros­sen Teil Ihres Ver­mö­gens zu ver­lie­ren. Wenn Ihre Frei­zü­gig­keits­gel­der einen hohen Anteil an Ihrem Ver­mö­gen aus­ma­chen und Sie im Fal­le der Pen­sio­nie­rung dar­auf ange­wie­sen sind, ist Ihre Risi­ko­fä­hig­keit ein­ge­schränkt. Sie soll­ten einen lan­gen Anla­ge­ho­ri­zont auf­wei­sen oder die Fin­ger von Anla­gen las­sen und das Geld auf ein Frei­zü­gig­keits­kon­to ein­zah­len.

Schliess­lich – und das gilt wohl über­all im Leben – hängt Ihre Risi­ko­fä­hig­keit davon ab, wie gut Sie sich aus­ken­nen. Haben Sie Erfah­run­gen mit Anla­ge­pro­duk­ten wie Obli­ga­tio­nen, Akti­en oder alter­na­ti­ven Invest­ments? Damit mei­nen wir nicht, dass Sie mit mög­lichst viel Wis­sen einen Unter­schied her­aus­ho­len kön­nen (z. B. den rich­ti­gen Ein­stiegs- und Aus­stiegs­zeit­punkt tref­fen). Denn das fällt selbst den Pro­fis schwer. Erfah­run­gen hel­fen Ihnen jedoch, die Risi­ken ein­schät­zen zu kön­nen, erst recht, wenn Sie schon ein­mal eine Finanz­kri­se durch­lebt haben.

Kosten dürfen Erträge nicht «wegfressen»

Ein ent­schei­den­der Nach­teil vie­ler Ange­bo­te zur Anla­ge von PK-Aus­tritts­lei­stun­gen sind die hohen Kosten. Dies führt im Extrem­fall dazu, dass die Gebüh­ren die Erträ­ge gänz­lich «weg­fres­sen». Das unfai­re dabei ist, dass Sie die Risi­ken tra­gen müs­sen für einen Ertrag, den Sie nicht erhal­ten, weil er durch die Gebüh­ren ver­nich­tet wird. fin­pen­si­on hat des­halb vor drei Jah­ren die digi­ta­le Frei­zü­gig­keits­stif­tung value­pen­si­on ins Leben geru­fen, die mit ihrem Ange­bot neue Mass­stä­be setzt. Mit value­pen­si­on kön­nen Sie bereits ab 0.49 % in Index­fonds der Zero-Fee-Klas­se (kei­ne TER) inve­stie­ren. Die Kosten für den Anschluss an die­se Fonds­ka­te­go­rie (Insti­tu­tio­nal Fund Access) mit der Credit Suis­se über­nimmt die Stif­tung. Die ein­ge­setz­ten Index­fonds sind quel­len­steu­er­op­ti­miert, womit sie noch­mals bis zu 0.5 % bes­ser per­for­men als nicht opti­mier­te Anla­ge­fonds.

Was 0.75 % Per­for­mance- und Kosten­un­ter­schied über die Zeit aus­macht, zeigt der fol­gen­de Mehr­wert­rech­ner.

Wie sich das Freizügigkeitsguthaben im Vergleich zum Konto entwicklen kann

Die­se Tabel­le zeigt den Zin­ses­zins­ef­fekt. Bei einer Ren­di­te von duch­schnitt­lich vier Pro­zent pro Jahr wird das Vor­sor­ge­ver­mö­gen über 15 Jah­re nahe­zu ver­dop­pelt. Auf dem Frei­zü­gig­keits­kon­to kann man froh sein, blei­ben der Betrag erhal­ten (Stich­wort: Gebüh­ren und Nega­tiv­zin­sen).

in CHF0 % Ren­di­te1 % Ren­di­te2 % Ren­di­te3 % Ren­di­te4 % Ren­di­te
        100’000        100’000        100’000        100’000        100’000
1. Jahr        100’000        101’000        102’000        103’000        104’000
2. Jahr        100’000        102’010        104’040        106’090        108’160
3. Jahr        100’000        103’030        106’121        109’273        112’486
4. Jahr        100’000        104’060        108’243        112’551        116’986
5. Jahr        100’000        105’101        110’408        115’927        121’665
6. Jahr        100’000        106’152        112’616        119’405        126’532
7. Jahr        100’000        107’214        114’869        122’987        131’593
8. Jahr        100’000        108’286        117’166        126’677        136’857
9. Jahr        100’000        109’369        119’509        130’477        142’331
10. Jahr        100’000        110’462        121’899        134’392        148’024
11. Jahr        100’000        111’567        124’337        138’423        153’945
12. Jahr        100’000        112’683        126’824        142’576        160’103
13. Jahr        100’000        113’809        129’361        146’853        166’507
14. Jahr        100’000        114’947        131’948        151’259        173’168
15. Jahr        100’000        116’097        134’587        155’797        180’094

PS: Die Erträ­ge auf Frei­zü­gig­keits­an­la­gen (Divi­den­den und Zin­sen) müs­sen nicht ver­steu­ert wer­den. Sie müs­sen weder das Ver­mö­gen noch deren Erträ­ge in der Steu­er­erklä­rung dekla­rie­ren.