Wann ist ein freiwilliger Einkauf in die Pensionskasse sinnvoll?

Wenn Sie frei­wil­lig Geld in Ihre Pen­si­ons­kas­se ein­zah­len, kön­nen Sie Steu­ern spa­ren. Sie kön­nen den ein­be­zahl­ten Betrag dem steu­er­ba­ren Ein­kom­men abzie­hen. Vie­le Pen­si­ons­kas­sen prei­sen vor die­sem Hin­ter­grund den frei­wil­li­gen Ein­kauf unein­ge­schränkt an, ohne trans­pa­rent über mög­li­che Nach­tei­le auf­zu­klä­ren.

In die­sem Bei­trag möch­ten wir es bes­ser machen. Wir legen den Fin­ger auch auf die wun­den Punk­te, damit Sie bes­ser beur­tei­len kön­nen, ob für Sie ein frei­wil­li­ger Ein­kauf in die Pen­si­ons­kas­se wirk­lich sinn­voll ist.*

*1e-Kader­vor­sor­ge­plä­ne oder rei­ne Kapi­tal­plä­ne (ohne Ren­ten­be­zugs­mög­lich­keit) sind nicht von den im näch­sten Kapi­tel beschrie­be­nen Umver­tei­lungs­pro­ble­men betrof­fen, da für jeden Ver­si­cher­ten ein eige­nes Kon­to geführt (1e-Plan) wird und man­gels Ren­ten­op­ti­on kei­ne Umwand­lungs­ver­lu­ste erlit­ten wer­den (1e- und Kapi­tal­plä­ne).

Zweite Säule steht auf schiefem Fundament

Um beur­tei­len zu kön­nen, ob für Sie ein frei­wil­li­ger Ein­kauf sinn­voll ist, müs­sen Sie ver­ste­hen, wie es um die zwei­te Säu­le im Schwei­zer Vor­sor­ge­sy­stem steht. Wir neh­men es vor­weg: nicht gut. Die gesun­ke­nen Ren­di­ten einer­seits und die höhe­re Lebens­er­war­tung ande­rer­seits haben dazu geführt, dass die bis zur Pen­sio­nie­rung ange­spar­ten Alters­gut­ha­ben nicht mehr zur Finan­zie­rung der Ren­ten rei­chen. Klang­heim­lich fin­det eine Umver­tei­lung von den aktiv Ver­si­cher­ten zu den Rent­nern statt, die sich pri­mär wie folgt äus­sert: Sie bekom­men nicht mehr die vol­le Ren­di­te als Zins gut­ge­schrie­ben. Ein Teil der durch die PK an den Kapi­tal­märk­ten erwirt­schaf­te­te Ren­di­te wird dazu ver­wen­det, die Umwand­lungs­ver­lu­ste zu finan­zie­ren.

Die aktu­el­le Situa­ti­on wäre im Grun­de genom­men nicht wei­ter schlimm, wenn eine Reform in Aus­sicht stün­de, die die Pro­ble­me an der Wur­zel packt. Doch davon sind wir weit ent­fernt. Die letz­te BVG-Revi­si­on stammt aus dem Jah­re 2004. Seit­her hat es kei­ne Vor­la­ge mehr geschafft, eine Mehr­heit zu fin­den. Zuletzt war es die Alters­re­form 2020, die von Volk und Stän­den bach­ab geschickt wur­de (24. Sep­tem­ber 2017).

In der Sum­me führt dies zu erheb­li­chen Unsi­cher­hei­ten. Ohne Reform wer­den Pen­si­ons­kas­sen ver­mehrt in Unter­deckung gera­ten, vor allem dann, wenn die Bör­sen mal nicht so gut lau­fen soll­ten. Befin­det sich eine Pen­si­ons­kas­se in einer Unter­deckung, muss sie Sanie­rungs­mass­nah­men ergrei­fen. Im Fal­le einer Teil­li­qui­da­ti­on sind auch frei­wil­li­ge Bei­trä­ge von der Unter­deckung betrof­fen und wer­den nicht mehr voll­stän­dig zurück­be­zahlt. Sze­na­ri­en, die man nicht am eige­nen Leib erfah­ren möch­te.*

*1e-Kader­vor­sor­ge­plä­ne oder rei­ne Kapi­tal­plä­ne (ohne Ren­ten­be­zugs­mög­lich­keit) sind nicht von den in die­sem Kapi­tel beschrie­be­nen Umver­tei­lungs­pro­ble­men betrof­fen, da für jeden Ver­si­cher­ten ein eige­nes Kon­to geführt (1e-Plan) wird und man­gels Ren­ten­op­ti­on kei­ne Umwand­lungs­ver­lu­ste erlit­ten wer­den (1e- und Kapi­tal­plä­ne).

Wie Sie dennoch von einem Pensionskasseneinkauf profitieren können?

Obligatorium vor Überobligatorium

Da wir im Obli­ga­to­ri­um sowohl eine mini­ma­le Ver­zin­sung* des Alters­ka­pi­tals als auch der mini­ma­le Ren­ten­um­wand­lungs­satz haben, emp­fiehlt es sich, zuerst Lücken im Obli­ga­to­ri­um zu schlies­sen, bevor Sie ins Über­ob­li­ga­to­ri­um ein­zah­len. Dies ist pri­mär dann mög­lich ist, wenn Sie das Obli­ga­to­ri­um und das Über­ob­li­ga­to­ri­um in zwei unter­schied­li­chen Kas­sen ver­si­chert haben. Fra­gen Sie aber trotz­dem bei Ihrer Vor­sor­ge­ein­rich­tung nach, ob es mög­lich ist, sich ins Obli­ga­to­ri­um ein­zu­kau­fen.

Wenn eine Ein­zah­lung ins Obli­ga­to­ri­um nicht mög­lich ist oder Sie nur noch Ein­kaufs­po­ten­zi­al im Über­ob­li­ga­to­ri­um haben, stellt sich die Fra­ge, wie soli­de Ihre Pen­si­ons­kas­se dasteht. Ist der Deckungs­grad deut­lich über 100 Pro­zent, ist das ein gutes Zei­chen. Liegt er in der Nähe von 100 Pro­zent oder sogar dar­un­ter, sind Ein­käu­fe wenig attrak­tiv. Sie müs­sen damit rech­nen, dass die Lei­stun­gen im Über­ob­li­ga­to­ri­um in Zukunft wei­ter gesenkt wer­den, um die Umwand­lungs­ver­lu­ste im BVG-Obli­ga­to­ri­um zu finan­zie­ren.

* Im Fal­le einer Sanie­rung ist der Min­dest­zins­satz nicht mehr garan­tiert. Rei­chen näm­lich die übli­chen Mass­nah­men zur Sanie­rung einer Pen­si­ons­kas­se nicht aus, kann die Ver­zin­sung auch im BVG-Obli­ga­to­ri­um für maxi­mal 5 Jah­re um maxi­mal 0.5 Pro­zent­punk­te unter die Schwel­le des BVG-Min­dest­zins­sat­zes gesenkt wer­den.

Der richtige Zeitpunkt wählen

Bei Pensionskassen mit niedrigem Deckungsgrad: lieber spät als früh

Wenn Sie das vor­han­de­ne Ein­kaufs­po­ten­zi­al trotz eines nied­ri­gen Deckungs­grads im Über­ob­li­ga­to­ri­um nut­zen möch­ten, emp­fiehlt es sich, dies mög­lichst spät zu machen. Umwand­lungs­sät­ze kön­nen nicht von heu­te auf mor­gen deut­lich redu­ziert wer­den. Oder anders gesagt: Über einen kur­zen Zeit­raum kön­nen Sie die Risi­ken von Lei­stungs­kür­zun­gen bes­ser abschät­zen als über eine lan­ge Sicht. Ein­käu­fe kön­nen Sie bis drei Jah­re vor der Pen­sio­nie­rung täti­gen, wenn ein Kapi­tal­be­zug geplant ist.

Bei Pensionskassen mit hohem Deckungsgrad: auch frühzeitig interessant

Wenn Sie vor­aus­sicht­lich bis zur Pen­sio­nie­rung die­sel­be Pen­si­ons­kas­se haben, die einen aus­ser­or­dent­lich guten Deckungs­grad auf­weist, oder wenn es sich um Kapi­tal­plä­ne oder 1e-Plä­ne han­delt, dann kann es sich loh­nen, sich bereits frü­her ein­zu­kau­fen. War­um? Einer­seits pro­fi­tiert Ihr Alters­gut­ha­ben vom Zin­ses­zins­ef­fekt. Natür­lich pro­fi­tiert das Geld auch im Pri­vat­ver­mö­gen davon. Der wesent­li­che Unter­schied ist jedoch, dass Sie auf den Zins- und Divi­den­den­er­trä­gen in der Vor­sor­ge kei­ne Ein­kom­mens­steu­ern zah­len. Zudem unter­liegt das Vor­sor­ge­ver­mö­gen wäh­rend den übri­gen Jah­ren bis zur Pen­sio­nie­rung oder einem Vor­be­zug nicht der Ver­mö­gens­steu­er (muss in der Steu­er­erklä­rung nicht dekla­riert wer­den).

Ziel: Einkommensspitzen brechen

Steu­er­lich am inter­es­san­te­sten sind frei­wil­li­ge Ein­käu­fe in den Jah­ren, in wel­chen Sie am mei­sten ver­die­nen. Denn dann müs­sen Sie nicht nur in Fran­ken und Rap­pen son­dern auch pro­zen­tu­al am mei­sten Steu­ern zah­len. Befin­den Sie sich mit Ihrem Ein­kom­men in einer für Sie betrach­tet nied­ri­gen Pro­gres­si­ons­stu­fe, lohnt sich ein Ein­kauf weni­ger.

Ihr Ziel soll­te sein, dass Sie mit frei­wil­li­gen Ein­käu­fen Ein­kom­mens­spit­zen bre­chen und so die jähr­li­chen steu­er­ba­ren Ein­kom­men glät­ten kön­nen (vgl. Dar­stel­lung).

Glättung Einkommen durch freiwillige Einkäufe
Glät­tung der steu­er­ba­ren Ein­kom­men durch frei­wil­li­ge Ein­käu­fe in die Pen­si­ons­kas­se

Ehepartner sollten für Einkäufe die bessere PK wählen

Ehe­part­ner, die bei­de arbeits­tä­tig sind, haben eine zusätz­li­che Mög­lich­keit, den Pen­si­ons­kas­sen­ein­kauf zu opti­mie­ren: Sie kön­nen Ihre Pen­si­ons­kas­sen ver­glei­chen und die PK bevor­zu­gen, die finan­zi­ell bes­ser dasteht und bes­se­re Lei­stun­gen bie­tet. Das wäh­rend einer Ehe ange­sam­mel­te Alters­gut­ha­ben wird ohne­hin im Fal­le einer Schei­dung hälf­tig geteilt und zwar unab­hän­gig Ihres Güter­stan­des.*

Da die Ein­kom­men von Ehe­part­nern in der Steu­er­erklä­rung zusam­men­ge­rech­net wer­den, muss nicht dar­auf geach­tet wer­den, wer mehr ver­dient.

*Aus­nah­me: Ein­käu­fe durch Mit­tel, die unter dem Güter­stand der Errun­gen­schafts­be­tei­li­gung dem Eigen­gut ange­hör­ten, sofern das Eigen­gut nach­ge­wie­sen wer­den kann.

Von Alternativen abhängig

Schliess­lich ist die Ant­wort auf die Fra­ge, ob ein Ein­kauf in die Pen­si­ons­kas­se sinn­voll ist, abhän­gig von Ihren Alter­na­ti­ven. Was machen Sie sonst mit dem Geld? Wenn Sie die­ses nicht anle­gen und mög­li­cher­wei­se sogar Nega­tiv­zin­sen bezah­len, lohnt sich ein Ein­kauf in die Pen­si­ons­kas­se eher, als wenn Sie das Geld auch pri­vat ertrags­reich anzu­le­gen wis­sen. Im PK-Obli­ga­to­ri­um haben Sie einen gewis­sen Kapi­tal­schutz, da die Min­dest­ver­zin­sung in der Regel nicht unter­schrit­ten wer­den darf und eine Min­destaus­tritts­lei­stung garan­tiert ist. Zudem sind Vor­sor­ge­gut­ha­ben und des­sen Erträ­ge sowohl von der Ein­kom­mens- wie auch von der Ver­mö­gens­steu­er befreit.

Rückgewähr des Altersguthabens im Todesfall?

Bevor Sie den Ein­kauf defi­ni­tiv umset­zen, ein letz­ter Hin­weis: Klä­ren Sie ab, ob Ihre Pen­si­ons­kas­se Rück­ge­währ auf dem Alters­gut­ha­ben und den frei­wil­li­gen Ein­käu­fen bie­tet. Bie­tet sie kei­nen Rück­ge­währ, müs­sen Sie sich im Kla­ren sein, dass frei­wil­li­ge Ein­käu­fe ver­lo­ren sind, wenn Sie vor der Pen­sio­nie­rung ster­ben soll­ten. Denn dann wird das Vor­sor­ge­ka­pi­tal (inkl. frei­wil­li­ge Ein­käu­fe) zur Finan­zie­rung der Wit­wen- und Wai­sen­ren­te ver­wen­det, wobei auch die­se Ren­ten durch den frei­wil­li­gen Ein­kauf oft nicht ver­bes­sert wer­den (fixer Pro­zent­satz vom zuletzt ver­si­cher­ten Lohn und nicht im Ver­hält­nis zum Alters­ka­pi­tal).

*Die von fin­pen­si­on gegrün­det 1e-Sam­mel­stif­tung your­pen­si­on bie­tet gene­rell eine vol­le Rück­ge­währ auf dem ange­spar­ten Alters­gut­ha­bens (zusätz­lich zu all­fäl­li­gen Ren­ten).

Alternativen zum freiwilligen Einkauf

Private Vorsorge: Säule 3a

Als Alter­na­ti­ve zum Pen­si­ons­kas­sen­ein­kauf bie­tet sich die 3. Säu­le an. Sind bei­de Ehe­gat­ten erwerbs­tä­tig und einer Pen­si­ons­kas­se ange­schlos­sen, kön­nen bei­de den jähr­li­chen Maxi­mal­be­trag der Säu­le 3a ein­zah­len und dem gemein­sa­men steu­er­ba­ren Ein­kom­men abzie­hen.

Kadervorsorge: 1e-Pläne

Eine attrak­ti­ve Alter­na­ti­ve für eine Vor­sor­ge­lö­sung in der zwei­ten Säu­le ohne Umver­tei­lung sind 1e-Plä­ne. In 1e-Plä­nen ab Ein­kom­men von 127’980 Fran­ken wird für jeden Ver­si­cher­ten ein eige­nes Kon­to geführt. Eine Umver­tei­lung kann ver­mie­den wer­den.

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