Nein, das geht leider nicht. In die Säule 3a können Sie nicht nachträglich einzahlen. Sie können also verpasste Einzahlungen von früheren Jahren nicht nachholen, wie das in der Pensionskasse mit freiwilligen Einkäufen möglich ist. Sie können immer nur für das aktuelle Jahr in die 3. Säule einzahlen, und zwar den vom Bundesrat festgelegten Maximalbetrag.

Politischer Vorstoss von Ständerat Ettlin will nachträglichen 3a-Einkauf ermöglichen

Erich Ettlin, Vertreter des Kantons Obwalden im Ständerat, hat am 19. Juni 2019 eine Motion eingereicht, die eine Änderung dieser Regel fordert. Er will, dass nachträgliche Einkäufe auch in der Säule 3a möglich sind. Er schlägt folgende Regeln vor:

Im Einkaufsjahr soll man zusätzlich zum Einkauf die ordentliche 3a-Einzahlung vornehmen und steuerlich abziehen können.

Berechnung der maximalen nachträglichen Einzahlung in die Säule 3a

Der maximale Betrag, den man nachträglich in die Säule 3a einzahlen dürfte, berechnet sich wie folgt (Beispiel Person mit Jahrgang 1974):

Grösstmögliche Säule 3a-Einzahlungen mit Jahrgang 1974CHF 177’038
Annahme aktuelles 3a-Guthaben (3a-Einzahlung für 2021 bereits enthalten)CHF 30’000
Annahme getätigte Vorbezüge für WohneigentumCHF 50’000
Vorsorgelücke in der Säule 3aCHF 97’038
Maximale 3a-Einkauf im 2021
(aufgrund der Beschränkung auf den grossen 3a-Maximalbetrag)
CHF 34’416
Berechnung des maximalen 3a-Einkaufs gemäss Vorschlag Ständerat Ettlin

Kommt die neue Regel und ab wann gilt sie?

Ob die neue Regel je in Kraft tritt, ist ungewiss. Obwohl beide Kammern der Motion von Erich Ettlin zugestimmt haben – die Motion war nicht unbestritten:

Insbesondere aus linken Kreisen kommt Kritik. Man sieht vor allem die Reichen, die davon profitieren würden.

Der Bundesrat muss nun eine Gesetzesrevision ausarbeiten. Dann kommt die Vorlage ins Parlament. Wenn das Parlament die Änderung beschliesst, beginnt die Referendumsfrist zu laufen. Für ein Referendum muss man innerhalb von 100 Tagen 50’000 Unterschriften sammeln. Es ist also noch ein weiter Weg. Möglicherweise hat das Volk das letzte Wort.

Was ist unsere Meinung dazu?

Die Idee ist nicht neu, dass man Einkäufe in der Säule 3a ermöglichen könnte. Sie basiert auf einer Forderung des Vereins Vorsorge Schweiz aus dem Jahr 2018.

Grundsätzlich finden wir den Vorschlag gut. Bei der Berechnung des 3a-Einkaufspotentials muss man sich aber bewusst sein, dass eine Ungleichbehandlung von 3a-Konti und 3a-Depots entsteht.

Wir machen ein Beispiel mit zwei Personen, einer Frau und einem Mann. Beide zahlen die ersten 10 Jahre nicht in die Säule 3a ein, danach aber regelmässig den Maximalbetrag.

Mit der vorgesehenen Berechnung des Einkaufspotentials würde die Frau bestraft, weil sie die Gelder gewinnbringend anlegt. Ihr Einkaufspotential würde auch ohne nachträglichen 3a-Einkauf innerhalb von 25 Jahren auf 0 Franken sinken – ausradiert durch die Performance des 3a-Fonds (Annahme 3 % p.a.).

Der Mann, der das Geld auf dem 3a-Konto liegen lässt, würde für seine Risikoaversion belohnt, indem er mehr nachträglich in die Säule 3a einzahlen kann als die Frau und deshalb auch mehr von den Steuern abziehen kann.

Vergleich Säule 3a-Einkaufspotential mit Konto oder Fonds-Lösung in CHF

Das grösstmögliche 3a-Guthaben wird deshalb aufgezinst:

Allerdings findet keine Unterscheidung zwischen Wertschriften- und Kontolösung statt. Kontolösungen profitieren von der Aufzinsung des Einkaufspotentials. Die Aufzinsung ist höher als der aktuelle Zins. Wertschriftenlösungen profitieren nicht, weil die Aufzinsung für Wertschriftenlösungen zu tief ist.