Grundsätzlich spart man mit der Pensionskasse fürs Alter. Frühestens mit 58 können die Ersparnisse bezogen werden und zwar in Form einer Rente oder von Kapital. Haben Sie Pensionskassengeld bei einer Freizügigkeitsstiftung parkiert, können Sie das Guthaben frühestens fünf Jahre vor dem ordentlichen Rentenalter abrufen.

Aber es gibt auch Ausnahmen. In folgenden Fällen kann man sich Pensionskassen- und Freizügigkeitsguthaben vorzeitig auszahlen lassen: Wenn man Wohneigentum erwirbt, sich selbstständig macht oder auswandert.

Vorzeitiger Bezug des Pensionskassengeldes

Zur Finanzierung von Wohneigentum (Eigenmittel)

Wohneigentum ist knapp, ein Dach über dem Kopf ein Grundbedürfnis. Es erstaunt deshalb nicht, hegen viele den Wunsch nach einem Eigenheim und sehen darin gleichzeitig eine gute Vorsorge fürs Alter. Auch der Gesetzgeber anerkennt das verbreitete Bedürfnis nach den eigenen vier Wänden und fördert deshalb

  • den Erwerb von Wohneigentum,
  • den Bau eines Hauses,
  • die Beteiligung an Wohnbaugenossenschaften und
  • die Rückzahlung von Hypothekardarlehen,

indem er erlaubt, dass Pensionskassen- und Freizügigkeitsguthaben vor der Pensionierung bezogen oder verpfändet werden. Bedingung: Der Wohnraum muss selbst bewohnt werden, zumindest teilweise, wenn es sich um ein Mehrfamilienhaus handelt. Lesen Sie mehr zum Thema WEF-Vorbezug.

Bei Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit

Neben dem Wohneigentum fördert der Staat auch die Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit. Selbstständig ist, wer auf eigene Rechnung wirtschaftet (Einzelfirma). Der Haupterwerb muss aus dieser selbstständigen Erwerbstätigkeit kommen. Der Vorbezug von PK-Guthaben muss spätestens ein Jahr nach der Aufnahme der selbstständigen Erwerbstätigkeit erfolgen. Spätere Bezüge sind nicht mehr möglich.

Im Gegensatz zum WEF-Vorbezug sind beim Vorbezug für die Selbstständigkeit keine Teilbezüge möglich. Wenn Sie nur einen Teil der Pensionskasse beziehen möchten, sollten Sie beim Austritt aus der Pensionskasse veranlassen, dass die Austrittsleistung auf zwei unterschiedliche Freizügigkeitseinrichtungen ausbezahlt wird. So können Sie später das eine Konto für die Selbstständigkeit beziehen und das andere stehen lassen.

Bei Auswanderung

Wandert man definitiv aus der Schweiz aus, kann das Pensionskassengeld ebenfalls vorbezogen werden. Ist das Zielland in der EU/EFTA, dann ist aber die Auszahlung auf den überobligatorischen Teil beschränkt, der obligatorischen Teil kann in der Regel nicht ausbezahlt werden. Nur wenn man am neuen Wohnsitz keiner Versicherungspflicht für die Risiken Alter, Tod und Invalidität unterliegt, kann man auch das Geld aus dem obligatorischen Topf beziehen. Ansonsten muss man es auf einem Freizügigkeitskonto deponieren, oder Sie investieren es über eine Freizügigkeitsstiftung in Wertschriften.

HINWEIS:
Da Sie bei der Auswanderung Ihren Wohnsitz in der Schweiz aufgeben, fehlt ein Steuersitz zur Verrechnung der Kapitalbezugssteuer. Deshalb wird die Steuer an der Quelle, d.h. am Sitz der Vorsorgeeinrichtung, erhoben. Die Freizügigkeitseinrichtung muss die Steuer dem Freizügigkeitsguthaben vor der Auszahlung in Abzug bringen und dem Staat abliefern.

Geringfügigkeit oder Bezug einer vollen Invalidenrente

Weiter kann Pensionskassengeld bezogen werden, wenn es zum Zeitpunkt des Austritts tiefer ist als ein voller Jahresbeitrag (Geringfügigkeit) oder wenn man eine volle Invalidenrente bezieht.

Zustimmung des Ehegatten

Wenn Sie verheiratet sind oder in einer eingetragenen Partnerschaft leben, müssen Sie für den Vorbezug eine Einwilligung Ihres Partners einholen. Im Gesetz ist die schriftliche Zustimmung vorgesehen. Der Schweizer Pensionskassenverband ASIP empfiehlt, die Unterschrift notariell beglaubigen zu lassen.

Konsequenzen des Vorbezugs

Beim Vorbezug muss das Kapital versteuert werden. Es kommt die reduzierte Kapitalbezugssteuer zur Anwendung. Wenn Sie zum Zeitpunkt des Bezugs im Ausland wohnen (Auswanderung), wird die Steuer an der Quelle erhoben.

Weiter kann der Vorbezug die Vorsorgeleistungen für die Risiken Tod und Invalidität reduzieren. Wenn Sie das Niveau Ihres bisherigen Vorsorgeschutzes trotz Vorbezug erhalten möchten, können Sie eine Zusatzversicherung abschliessen. Fragen Sie bei Ihrer Vorsorgeeinrichtung nach, ob sie eine solche Zusatzdeckung anbietet. Wenn nicht, kann sie Ihnen allenfalls eine vermitteln.

Rückzahlung des WEF-Vorbezugs

Im Gegensatz zu 3a-Gelder können WEF-Vorbezüge aus der Pensionskasse bis drei Jahre vor der Pensionierung zurückgezahlt werden. Die entrichtete Kapitalbezugssteuer kann dann zurückgefordert werden. Die Rückerstattung muss jedoch innerhalb von drei Jahren verlangt werden. Eine spätere Rückforderung ist nicht mehr möglich. Lesen Sie mehr zum Thema Rückzahlung des WEF-Vorbezugs.