Die Anlagestrategie selbst wählen

Kadervorsorge: Gesetzesänderung sorgt für Bewegung

Seit über zehn Jah­ren kön­nen Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen im Rah­men eines Vor­sor­ge­plans ihren Ver­si­cher­ten bis zu zehn Anla­ge­stra­te­gi­en anbie­ten. Die Wahl­mög­lich­keit (nach dem Arti­kel 1e der Ver­ord­nung über die beruf­li­che Vor­sor­ge benannt) gilt aller­dings nur für Lohn­an­tei­le ober­halb des Garan­tie­be­reichs des Sicher­heits­fonds (ab 126’900 bis 846’000 Fran­ken).

Bei 1e-Plä­nen kön­nen Ver­si­cher­te die Anla­ge­stra­te­gie auf ihr indi­vi­du­el­les Risi­ko­pro­fil abstim­men. Spar­bei­trä­ge wer­den auf einem per­sön­li­chen Kon­to gut­ge­schrie­ben und ent­spre­chend der gewähl­ten Stra­te­gie inve­stiert. Die Ren­di­te wird aus­schliess­lich dem eige­nen Kon­to zuge­teilt, es wer­den kei­ne kol­lek­ti­ven Wert­schwan­kungs­re­ser­ven gebil­det. Gera­de im aktu­el­len Tief­zins­um­feld bie­tet die indi­vi­du­el­le Anla­ge­wahl eine Chan­ce auf höhe­re Ren­di­te, dafür trägt der Ver­si­cher­te aber auch das Risi­ko. Weil das nicht allen zusagt, muss der 1e-Plan min­de­stens eine Stra­te­gie mit gerin­gem Risi­ko anbie­ten.

Systemfehler fällt weg

1e-Plä­ne sind erst wenig ver­brei­tet. Ein Grund ist, dass die Umset­zung mit Risi­ken für die Vor­sor­ge­ein­rich­tung ver­bun­den ist. Gemäss Frei­zü­gig­keits­ge­setz (FZG) muss dem Ver­si­cher­ten eine Min­destaus­tritts­lei­stung garan­tiert wer­den. Ein Ver­si­cher­ter könn­te so eine risi­ko­rei­che Stra­te­gie wäh­len und spä­te­re Ver­lu­ste auf die Vor­sor­ge­stif­tung abwäl­zen.

Bereits 2008 for­der­te Natio­nal­rat Jürg Stahl die Kor­rek­tur die­ses System­feh­lers. Im Dezem­ber 2015 beschloss das Par­la­ment die Ände­rung des Frei­zü­gig­keits­ge­set­zes. Im August lud das Bun­des­amt für Sozi­al­ver­si­che­run­gen einen klei­nen Fach­kreis ein, zum Ent­wurf der Ver­ord­nung Stel­lung zu neh­men. Da wur­de unter ande­rem die Limi­tie­rung auf nur noch drei Anla­ge­stra­te­gi­en kri­ti­siert und eine Anpas­sung gefor­dert. Die defi­ni­ti­ve Ver­ord­nung soll­te die­ser Tage (nach Redak­ti­ons­schluss) bekannt wer­den und tritt am 1. Janu­ar 2017 in Kraft. Die Min­destaus­tritts­lei­stung fällt weg.

Im BVG-System ist die Soli­da­ri­tät wie die gemein­sa­me Ver­si­che­rung von Risi­ko­l­ei­stun­gen vor­ge­se­hen und wün­schens­wert. Dage­gen ist die grund­sätz­lich system­wid­ri­ge Umver­tei­lung von aktiv Ver­si­cher­ten zu Rent­nern eine Fol­ge der star­ren gesetz­li­chen Vor­ga­ben im BVG-Obli­ga­to­ri­um. Die höhe­re Lebens­er­war­tung und die nied­ri­gen Zin­sen haben die Situa­ti­on mas­siv ver­schärft und Schwach­stel­len des heu­ti­gen BVG-Systems auf­ge­deckt. Schät­zun­gen zufol­ge wer­den zur­zeit jähr­lich 3 bis 4 Mrd. Fr. zula­sten der aktiv Ver­si­cher­ten umver­teilt.

Digitalisierung hilft

Mit einer 1e-Lösung kön­nen sich Ver­si­cher­te davor schüt­zen. Für die Steu­er­op­ti­mie­rung kann durch die Erhö­hung von Spar­bei­trä­gen zusätz­li­ches Ein­kaufs­po­ten­zi­al geschaf­fen wer­den. In Kom­bi­na­ti­on mit dem Schutz vor Umver­tei­lung und der eige­nen Wahl der Anla­ge­stra­te­gie wer­den damit frei­wil­li­ge Ein­käu­fe noch attrak­ti­ver, zumal sie vom steu­er­ba­ren Ein­kom­men abge­zo­gen wer­den kön­nen. Gera­de die­se Vor­tei­le dürf­ten vie­le Kader­an­ge­hö­ri­ge in KMU anspre­chen und lang­fri­stig im Durch­schnitt zu einer deut­lich höhe­ren Aus­tritts­lei­stung füh­ren.

Die Ein­füh­rung eines 1e-Plans kann unter IFRS und US-GAAP eine deut­li­che Reduk­ti­on der Pen­si­ons­ver­pflich­tun­gen bewir­ken. Das ist vor allem für inter­na­tio­na­le Unter­neh­men prü­fens­wert. Je nach Deckungs­grad und Umgang mit den frei­en Reser­ven kann eine 1e-Lösung zudem posi­tiv für die eige­ne Pen­si­ons­kas­se sein. Die Aus­wir­kun­gen sind vor­ab abzu­klä­ren, um all­fäl­li­ge nega­ti­ve Effek­te für ein­zel­ne Ein­kom­mens­grup­pen aus­zu­schlies­sen.

Mit der Ände­rung des FZG wer­den neue 1e-Ange­bo­te lan­ciert wer­den. Die Digi­ta­li­sie­rung hilft, zumal moder­ne 1e-Plä­ne noch fle­xi­bler und gün­sti­ger ange­bo­ten wer­den kön­nen. Gera­de Letz­te­res dürf­te bei den aktu­el­len Tief­zin­sen ein nicht zu unter­schät­zen­der Vor­teil sein.

Arti­kel von Beat Bühl­mann, publi­ziert im Son­der­bund Vor­sor­ge der Finanz und Wirt­schaft vom Sep­tem­ber 2016.

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